Pegida-Export nach Österreich: Klappe die Zweite

Linz gegen Rechts (5)Linz gegen Rechts will „Naziaufmarsch“ stoppen – 1.600 TeilnehmerInnen erwartet – Pegida Oberösterreich gibt sich streichelweich

Nachdem der erste Österreich-Auftritt der „Pegida-Bewegung“ am vergangenen Montag in Wien im großen Stil gescheitert ist, versuchen die „patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nun in Linz ihr Glück. Für die Aufrufe hat man eine Extraportion Kreide geschluckt.

Pegida Oberösterreich ruft für heute Sonntag, 15.30 Uhr zu einer „stillen Kundgebung“ vor dem Linzer Hauptbahnhof auf. Eingeladen seien alle, „die friedlich ein Zeichen für mehr Bürgerbeteiligung und demokratische Teilhabe setzen wollen“, und dies „unabhängig ihrer RELIGION oder HERKUNFT!“, heißt es auf der Veranstaltungsseite (fb), auf der etwa 300 Personen ihr Kommen zugesagt haben.

Österreichfahnen sowie Fahnen der Bundesländer, aber auch andere europäische Nationalfahnen seien erwünscht, das Mitbringen von „fremdenfeindlichen/rassistischen Schildern und Transparenten ist strengstens untersagt.“ Auch auf Alkoholkonsum, Vermummung, „das Führen von Hunden sowie Pyrotechnik“ und auf das „Mitführen von Waffen und waffenähnlichen Gegenständen“ sollen die Teilnehmer verzichten.

Keinen Glauben an die friedlichen und demokratischen Ziele der Pegida OÖ hat die Initiative „Linz gegen Rechts“, die bereits wenige Stunden nach der Ankündigungen des islamfeindlichen „Spaziergangs“ eine Gegenkundgebung angemeldet hatte. An dieser werden sich laut aktuellen fb-Zusagen über 1.600 Menschen beteiligen (Treffpunkt ist 14 Uhr auf dem Linzer Hauptplatz).

Im Aufruf zur Demonstration „KEIN METER FÜR PEGIDA! Naziaufmarsch stoppen – Kein Platz für Rassismus in Linz“ heißt es: „Pegida ist gefährlich, weil sie sich als vermeintliche gesellschaftliche Mitte darstellen und ihrem Rassismus (insbesondere antimuslimischem Rassismus) versuchen das Deckmäntelchen der ‚Besorgnis‘ zu geben. Doch Pegida, die FPÖ und andere rechtsextreme Gruppen wollen Vorurteile und ein angsterfülltes Klima aufbauen. Sie benutzen die furchtbaren Anschläge in Paris, um Hass und Gewalt zu schüren. Sie befeuern ein Klima, das jetzt schon dazu führt, dass es unzählige Übergriffe auf politisch Andersdenkende, MuslimInnen, vor allem Frauen, MigrantInnen und Flüchtlinge gibt.“

Und tatsächlich kam es im Vorfeld des heutigen „Pegida-Spaziergangs“ bereits zu gefährlichen Drohungen gegen  den Linzer Szenekenner, Datenforensikers und Polizeibeamten Uwe Sailer.

Nachdem die erste öffentliche Pegida-Kundgebung in Österreich, Anfang der Woche in Wien, „nicht optimal gelaufen“ ist (Zitat Pegida OÖ), was auch den Rücktritt des „ganz schön patschert“ (O-Ton Nagel) agierenden Sprechers, Georg Immanuel Nagel, zur Folge hatte, scheint die heutige Kundgebung für den erfolgreichen Export der in Dresden entstandenen islamfeindlichen Initiative von großer Bedeutung zu sein. So sehen es offensichtlich beide Seiten.

Text: Michael Wögerer
Foto: Demo gegen den Linzer Burschenbundball 2015 (Unsere Zeitung)

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