Werkstattbericht IX – Was ich nach einem Tag am Küniglberg gelernt habe

[3K – Massenmedien am Montag: Folge 80]

Ich bin spät dran. „Zum ORF bitte.“ Der Taxler dreht den Track, der gerade rennt, leiser, als er „ORF“ hört. „Zum Teich?“ Eben hatte noch eine Ami-Bassstimme erklärt, dass Aliens seit den 1940ern auf der Erde sind und „mit der geheimen Regierung“ packeln. Der dämliche Titel auf der Radioanzeige prägt sich ein. Ich erwarte, dass mich Jonathan Frakes später in einem blauen Studio schelmisch angrinst.

Ich kriege am Küniglberg ein kleines Namensschild in einen simplen Ausweishalter gesteckt, dazu Infomaterial, die Tagesordnung des Stiftungsrats. Hinten im Foyer packe ich Aufnahmegerät, Laptop, Jause aus. Noch sind nicht viele da, aber ich bemerke ein paar Dinge, die ich so schnell nicht vergesse.

 

1. Im Team geht’s leichter.

Ausnahmsweise eine Binsenweisheit, die man nicht oft genug wiederholen kann. Manche Häuser (u.a. Österreich, PULS4, Die Presse) sind in Teams da, um die Bestellung des ORF-Chefs zu dokumentieren. Ich bin ungeübt im Tickern und allein, kann nicht überall sein (bei Steger war ich wohl am WC). Ich bespiele drei Accounts gleichzeitig, was Recherchefehler verursacht. Die Teams sind entspannter, jedeR ist für einen anderen Kanal zuständig – was zum nächsten Punkt führt.

 

2. Twitter ist spaßbefreit.

Digitales Gezwitscher nahm ich immer als Jahrmarkt medial-politischer Eitelkeiten wahr. Als ich versuche, als UZ Schmäh reinzubringen, weil eben alle hier dasselbe machen, greife ich ins Klo. Ich tagge ein Team und bezeichne es als Copycats. Die sind trotz Zwinkersmiley am Schluss not amused. Besagter Tweet verschwindet, weil ich keinen Bock auf humorlose Debatten habe, weder online noch mit dem vier Meter entfernten Teamtisch.

 

3. Je länger so eine Sitzung, desto trivialer wird der Ticker.

 

Über Essen twitter ich recht bald. Der Geruch des Buffets ist gerade ab Mittag betörend unignorierbar. Ansonsten geht nicht viel. Die vorbereiteten Hintergrund-Postings sind rasch verbraucht. FotografInnen ärgern sich über mangelnde Motive, alle über das WLAN. Wenn doch was los ist, scheuchen alle auf, eh klar:

 

Ach, und Tarek Leitner ist kleiner, Armin Wolf größer, Richard Grasl leicht dünner und Alexander Wrabetz leicht dicker, als sie im TV wirken.

 

3.b. FotografInnen machen auch mal Fotos von sich selbst.

 

4. Nuancen runden das Bild ab.

Wolf diskutiert das Wahlergebnis in einer angeregten Runde. Leitner hört den Kandidaten zuerst schweigend zu. Während der Pressekonferenz kichern immer dieselben (auch ORF-Leute) beim Thema Proporz. Im ersten Stock stehen Boulevard-Entnahmeständer neben dem WC. Erich Fenninger schlurft am Abend mit gesenktem, müdem Blick hinter Wrabetz her. Er wirkt treu, doch traurig. Die Volkshilfe, da blüht er auf. Hier verwelkt er wohl.

 

5. Frakes kommt nicht.

Ich finde das Stück vom Taxler als Online-Clip. Es geht um hirnverbrannten Verschwörungs-Topfen, keine Satire, weder trashige Mystery-Serie noch Mockumentary. Wenigstens haben die UFOlogen auch dunstig-blauen Bildhintergrund.

Beitragsbild: Tweet von Unsere Zeitung

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