Das Internet, die Kommunikation und wie wir unsere innere Balance bewahren können

Sommer-Kolumne von Martha Wirtenberger (Folge 5 und Schluss)

In der heutigen Zeit und Welt geht die Kommunikation wahnsinnig schnell. Ich kenne fast niemanden ohne Telefon und nur zwei Freundinnen fallen mir spontan ein, die kein Smartphone haben.

Jede/r ist vernetzt mit der Welt und über das Internet und diverse Kanäle können wir Nachrichten empfangen, sind ständig erreichbar und erhalten Informationen von Freunden und Familienangehörigen.

Es ist nicht einfach, sich davon eine Pause zu gönnen. Vielfach möchte man sich mitteilen und kommunizieren. Ebenso ist es oft einfach, schnell Infos zu verbreiten – aus welcher Motivation heraus auch immer.

Ich selbst bin immer wieder sehr stark hineingekippt in diese Freude, mit lieben Menschen zu kommunizieren und doch wird es manchmal einfach zu viel.

Worauf ich mich vor meiner letzten Reise nach Kuba vor allem gefreut habe, war diese „internetfreie“ Zeit. Auch wenn es auf Kuba mittlerweile viele WLAN-Stationen gibt, so ist es doch mit etwas mehr Aufwand verbunden. Zuerst muss man sich eine Karte kaufen und dann einloggen. Oft funktioniert die Verbindung nicht so gut, wie wir das in Europa gewöhnt sind und Internet in den eigenen vier Wänden ist auch nicht selbstverständlich. So kommuniziert man an öffentlichen Orten und oft mit vielen Hintergrundgeräuschen und so gut wie keiner Privatsphäre. Ich habe mich auf Kuba bewusst dafür entschieden, in dieser Zeit kein Internet zu haben und es war genussvoll, das Treiben zu genießen und mehr zu beobachten.

Device Love (Foto: Luke Wroblewski/flickr.com; Lizenz: CC BY 2.0)

In Österreich (oder generell in Europa, wenn ich unterwegs bin) bin ich beruflich und auch privat sehr viel im Internet und zwischendurch kommt mir der Gedanke: „Das ist echt verrückt.“ So schön es ist, über whatsapp und E-Mails oder Facebook mit meinen FreundInnen und Familie weltweit verbunden zu sein: manchmal habe ich schon das Gefühl, es ist zu viel und ich möchte die Menschen lieber direkt sehen und mich unterhalten.

Ebenso erzeugt es eine nicht ausgesprochene Erwartungshaltung, wie schnell wir auf Nachrichten reagieren. Ich merke es immer öfters, dass E-Mails oder Anfragen sehr schnell beantwortet werden müssen und sollen. Manchmal spiele ich da ungern mit, auch wenn ich sehr schnell bin mit Kommunikation und Reaktion. Dennoch möchte ich mir dieses Gefühl von Kuba bewahren: in der Ruhe liegt die Kraft und weniger ist manchmal mehr.

Das heißt nicht, dass ich das Internet und all seine Vorteile nicht zu schätzen weiß. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Denn ohne Internet könnte ich mit sehr vielen mir wichtigen Personen gar nicht kommunizieren. Das würde Vieles noch mehr erschweren. Ebenso ist es mir eine Freude, dass die Kommunikation auf Kuba besser geworden ist in den letzten Jahren. Die Freude über E-Mails und gute Verbindungen bei imo ist dann immer sehr groß.

2014 war die Kommunikation noch etwas eingeschränkter und ich habe Briefe geschrieben, viele Gedichte entworfen und das hatte eine ganz andere Qualität. Es war dann wie ein Geschenk, wenn eine Nachricht aus Kuba ankam oder ein kurzes Telefonat möglich wurde.

Ich glaube, dass wir uns das immer wieder vor Auge halten müssen. Es geht nichts über ein gemeinsames Abendessen, Gespräche bei denen man sich in die Augen sehen kann, einen Tag Internetpause oder das Beobachten der Natur und Menschen in der Umgebung.

Natürlich sind die KubanerInnen auch gerne im Internet und freuen sich über die Möglichkeiten. Das sei ihnen auch vergönnt. Aber wenn ich hier in Europa unterwegs bin und beobachte, wie viele Menschen ununterbrochen ihr Telefon in der Hand haben und im Gehen tippen oder in der U-Bahn, frage ich mich, ob wir es nicht etwas übertreiben.

Ich selbst muss mich immer wieder daran erinnern, das Telefon bewusst zu vergessen und freue mich auch auf internetfreie Stunden und Tage. Auch wenn jede/r selbst gestalten kann, wieviel und wie er/sie kommuniziert, so prägt uns doch unser Umfeld.

Mir ist es ein großes Anliegen, mich immer wieder bewusst aus der „modernen Welt“ raus zu nehmen und auf eine Bank zu setzen, wo ich Bäume und Menschen beobachten kann. Das können die KubanerInnen im Übrigen sehr gut und ich wünsche ihnen, dass sie dieses „Im Moment sein“ ohne zu viele moderne Ablenkungen bewahren können.

In diesem Sinne wünsche ich dir, liebe LeserIn viele Momente des Abschaltens, Beobachtens, Ruhens und Seins in dem Moment… speziell im Sommer brauchen wir diese Zeiten des Seele-baumeln-Lassens sehr. Wir können mit allem verbunden sein, was uns wichtig ist – mit oder ohne Technologie.

DANKE

Wir sind verbunden mit den Menschen aller Orte
Viele begleiten uns sehr intensiv
Andere stehen uns immer dann zur
Seite, wenn wir sie brauchen
Dankbar für die Freunde in dieser Welt
Glücklich über gemeinsame Momente
Momente der Innigkeit und des Spürens
Dankbar
Erfüllt und lernend
Dankbar

(Auszug aus „Geliebtes Kuba – deine Lebensfreude begleitet mich“ (S. 49), erschienen bei greatlifebooks.de, 2017)

Diese beiden Lieder möchte ich euch heute mitgeben – beide liegen mir sehr am Herzen und haben enorm viel Kraft:

David Garret – Viva la vida (instrumental, kein Kuba Bezug aber sehr kraftvoll):

 

Gente de zona – si no vuelves (Reggeton, kubanisch und einfach toll zum Tanzen):

Titelbild: Cuba tries offering home internet access (youtube.com)

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