Kunst verbindet Völker und Kulturen

Natascia De Franceschi berichtet über die Vergabe der Exil-Literaturpreise an SchriftstellerInnen mit ausländischen Wurzeln, die auf Deutsch schreiben.

Unter den vielfältigen und interessanten Kulturveranstaltungen, die jede Woche in Wien durchgeführt werden, gab es am 13. Dezember eine ganz besondere. Im Literaturhaus im 7. Bezirk fand die Lesung der PreisträgerInnen der Exil-Literaturpreise 2017 für SchriftstellerInnen, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, aber auf Deutsch schreiben, statt.

Die ersten zwei Exil-Literaturpreise für Prosa-Texte, dotiert mit 2.500,- Euro gingen an HELENA SRUBAR und an GABRIEL FURMUZACHI. 

Die 1975 in Frankfurt am Main/Deutschland geborene Helene Srubar kam über Frankfurt, Prag, Erlangen, München, Konstanz und Regensburg 2006 nach Linz. Die Eltern der studierten Soziologin, Slavistin und Ost(mittel)europahistorikerin emigrierten 1969 nach dem „Prager Frühling“ aus Prag in der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland. In ihrem Buch „Deutschkurs“ schreibt sie über jene Missverständnisse, die entstehen können, wenn Fremde die deutsche Sprache zu lernen beginnen

Im Buch “Klick” schreibt Gabriel Furmuzachi über das Thema Heimat:

“Wer seine Heimat verlässt, muss nicht nur für sich selbst eine neue Heimat schaffen, sondern auch für die nächste Generation, die Kinder”.

Zwei zweiten Preise, dotiert mit 1.500, Euro bekamen JOANNA MICHALCZUK für ihren Text „Rakugo“ und an ZDENKA BECKER für „Die Frau mit vielen Namen“.

Der Exil-Dramatikerinnen-Preis 2017 dotiert mit 2.000,- Euro ging an AMIRABBAS GUDARZI für sein Stück „Zwischen uns und denen…“.

Der Exil-Jugendpreis dotiert mit 1.000,- Euro ging an JULIAN SHI-AN MAXIMILIAN HO (Bild rechts) für seinen Text “Nicht einordenbar oder der Kontrabass”. Julian Shi-An Maximilian Ho ist mit noch nicht ganz 15 Jahren der jüngste Gewinner der seit 21 Jahren vergebenen Exil-Literaturpreise. Trotz seiner Jugend strahlt der Preisträger eine bereits starke, gefestigte Persönlichkeit aus – und das, obwohl er in vielerlei Hinsicht Außenseiter ist:

„Ich brauche meinen Kontrabass – er ist der einzige Freund, der zuhören kann – naja, eigentlich höre ich mir selbst zu, weil ich es ja bin, der spielt – aber indem die Töne vom Bass zu mir kommen, verstehe ich mich selbst besser. So, als ob ich plötzlich eine bessere Version von mir selbst sehen könnte – als ob ich im Spiegel den Menschen sehen könnte, der ich gerne wäre… und dann kommt ein falscher Ton dazwischen und alles zerrinnt – wie eine Spiegelung in einem Bergsee, wenn einer einen Stein ins Wasser wirft“, schreibt MAXIMILIAN HO in “Nicht einordenbar oder der Kontrabass”.

Den Preis für Schulklassen dotiert mit 1.000,- Euro erhielten die Schülerinnen der HTL-BRAUNAU in Oberösterreich für ihr Projekt “Was uns zusammenhält”: Benjamin Stoiber, Andreas Reindl, Martin Schacherbauer, Daniel Auböck und Paul Lederbauer arbeiteten an fantastischen Geschichten und Märchen.

Seit 1988 gibt es im Amerlinghaus in Wien das “Zentrum Exil”, ein Kulturzentrum mit Schwerpunkt Literatur- und Kulturprojekte von KünstlerInnen, die aus einer anderen Sprache und Kultur kommen und in deutscher Sprache schreiben bzw. für Autorinnen, die einer ethnischen Minderheit angehören.
Seit 1997 werden auf Initiative des Vereins “Exil” die “Exil-Literaturpreise – Schreiben zwischen den Kulturen“ vergeben. Bei den Lesungen dazu wird jedes Jahr eindrucksvoll bestätigt, dass Kunst in all seinen Formen Völker und Kulturen verbinden kann.

Obwohl es bestimmt einfacher ist die Kreativität in ihrer eigenen Muttersprache auszudrücken, haben diese AutorInnen auch heuer unter Beweis gestellt , dass sie in der Lage sind, ihre Geschichten, Ideen und Phantasien in einer Sprache auszudrücken, die nicht ihre eigene ist.

Titelbild: Schülerinnen der HTL-BRAUNAU bei der Vergabe der Exil-Literaturpreise (Foto: Natascia De Franceschi)

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