Gedenkminute für eine verstorbene Heldin

Regenbogen auf der Straße
© pixabay.com / filmbetrachterin

“Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, ist nicht tot. Tot ist nur, wer vergessen wird.” (Immanuel Kant) –  Eine schriftliche Gedenkminute an eine besondere Aktivistin: Helga Pankratz (1959* in Wiener Neustadt, 2014 in Wien)

Von Oliver Suchanek

5 Jahre ist es her, seit die Wiener Lesben- und Frauenaktivistin Helga Pankratz den Kampf mit dem Krebs verlor und nur wenige Tage vor ihrem 55. Geburtstag verstarb. 5 Jahre ist es her, als die Homosexuellen-Initiative (HOSI) ihre langjährige Obfrau und eine ihrer hervorragendsten Aktivist*innen verlor. Am 6. Februar 2019 wäre ihr 60. Geburtstag gewesen. 

An den Tod wird niemand gerne erinnert. Solange die Menschen, die wir schätzen und uns etwas bedeuten, leben, können die Erinnerungen an sie immer wieder aufgefrischt werden. Doch was ist nach dem Tod? 

Pferdestatue mit Regenbogenflagge
© Oliver Suchanek

Helga Pankratz konnte in ihrer Lebenszeit vielen Menschen helfen, viele unterstützen und inspirieren. Eine Person berührte sie besonders: Brigitte Menne. Die Autorin, welche viele Jahre mit Helga Pankratz befreundet war, stellte sich im Februar 2019 zum FemSlam19 im Literaturhaus Wien auf die Bühne und ließ am Beginn ihrer Rede das Scheinwerferlicht der allgemeinen Aufmerksamkeit nicht auf sich, sondern auf ihre Freundin lenken. Sie erzählte, dass Helga Pankratz sowohl für ihr Coming-Out, als auch für ihre literarische Arbeit so wichtig war. Erst recht ist sie tief erschüttert von der Tatsache, dass ihre Freundin, die Schriftstellerin, HOSI-Mitbegründerin und langjährige LGBTQIAP-Aktivistin  Helga Pankratz, nun offenbar auch für die Öffentlichkeit „gestorben“ ist. Es gab keine Nachrufe.

Neben ihrer Tätigkeit als Obfrau der Homosexuellen-Initiative (HOSI) ging Helga Pankratz ihrer wahren Berufung nach: dem Schreiben. Als Autorin verfasste sie viele Gedichte und Prosatexte, aber auch Kommentare, Pamphlete und Essays. Letztere erschienen in ihren regelmäßigen Kolumnen „Aus lesbischer Sicht“ in den LAMBDA-Nachrichten – der Zeitschrift der HOSI Wien – welche 2002 gesammelt als Buch veröffentlicht wurden. Als Turniertänzerin des lesbischen Frauen-Tanzclubs Resis.danse nahm sie 1995 an den Eurogames in Frankfurt teil, wo sie drei Jahre später in Amsterdam bei den Gay Games vereinzelte österreichische Athlet*innen kennenlernte. Inspiriert von der Community ergriff sie die Initiative und begründete eine Vernetzung der homosexuellen Sportler*innen. Fortan war sie eine Vorreiterin für den homosexuellen Sport in Österreich. 

Für ihre Verdienste um die rechtliche und soziale Gleichstellung von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft wurde die Aktivistin im Jahr 2000 mit dem Gay And Lesbian Award (G.A.L.A.) der HOSI Linz ausgezeichnet.

Lest Helga Pankratz! Sie hat uns auch heute noch was zu sagen, sie zu lesen ist auch heute noch ein Vergnügen: Daran will uns Brigitte Menne erinnern.

Titelbild: © pixabay.com / filmbetrachterin

 

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