Haiti: Neue Eskalation der Bandengewalt

In Haiti ist ein Kampf zwischen zwei einflussreichen Banden in der Hauptstadt Port-au-Prince eskaliert. Bislang wurden bei den Kämpfen 75 Menschen getötet. Auch Entführungen nehmen zu.

Von alterpresse/prensa latina/NPLA

Erneut ist in Haiti ein Kampf zwischen zwei einflussreichen Banden in der Hauptstadt Port-au-Prince eskaliert. Die Auseinandersetzungen zwischen den Gangs 400 Mawozo und Chen Mechan sind am 24. April im Viertel Croix-des-Bouquets im Nordosten der Hauptstadt ausgebrochen. Bislang wurden bei den Kämpfen 75 Menschen getötet und 68 verletzt, tausende Anwohner*innen sind auf der Flucht, berichtet das Onlinemedium AlterPresse.

Am 6. Mai gingen deshalb hunderte Menschen in mehreren Stadtteilen auf die Straße und verurteilten die Gewalt. „Wir fordern Frieden“, riefen sie und kündigten an, ihre Viertel nicht den Banden überlassen zu wollen. Sie forderten den Rücktritt der De-facto-Regierung, die bislang zu der Gewalt geschwiegen habe. Die Demonstrant*innen kritisierten zudem die UN-Mission Binuh (Bureau intégré des Nations Unies en Haïti). Sie warfen der UN-Mission vor, die „bewaffneten Banden vereinigt“ zu haben. Das UN-Büro wiederum zeigte sich „besorgt“ über die sich verschärfende Sicherheitslage. In einer Presseerklärung sprach das Büro von 9.000 vertriebenen Menschen und mindestens zwölf niedergebrannten Häusern. Überlandstraßen seien unsicher und mehrere Schulen und Krankenhäuser seien gezwungen, vorübergehend zu schließen.

Nach Angaben der haitianischen Nationalpolizei versuchten die Gangs, ihre Einflussbereiche zu vergrößern. Die Polizei verkündete, die „Banditen“ jagen zu wollen und die Ordnung wiederherzustellen.

Krankenhäuser streiken nach Entführung

Zwei Krankenhäuser in Haiti haben vorübergehend ihren Betrieb eingestellt, nachdem eine Ärztin entführt wurde. Die Krankenhausmitarbeiter*innen von St. Damien und St. Luc in der Hauptstadt Port-au-Prince protestierten damit gegen die Entführung der Kinderärztin Benette Augustin. Sie beklagten, dass es für sie unmöglich sei, sicher zu ihrer Arbeit zu gelangen und verlangten von der Regierung, für ihren Schutz zu sorgen.

Augustín sei am 5. Mai auf der Straße einer ländlichen Gemeinde südlich der Hauptstadt entführt worden und habe sich vier Tage später noch immer in der Hand ihrer Entführer befunden, heißt es in einer Pressemitteilung der christlichen mexikanischen Kinderhilfsorganisation Nuestros Pequeños Hermanos, die eine Kinder- und Entbindungsstation führt. Ohne Ärzt*innen gebe es keine Gesundheitsversorgung, schrieben sie weiter.

„Ohne Ärzt*innen keine Gesundheitsversorgung“

Drei Tage nach der Entführung der Kinderärztin wurde ein aus der Dominikanischen Republik kommender Bus gekapert, in dem sich acht türkische Missionar*innen befanden. Für die Entführungen soll die Bande 400 Mawozo verantwortlich sein, die zuvor bereits einen Diplomaten des Nachbarlandes sowie im Oktober 2021 17 Missionar*innen aus den USA und Kanada entführt haben soll.

In den vergangenen Tagen wurden außerdem ein Arzt, zwei Regierungsbeamte, ein Geistlicher sowie ein Unternehmer mit seinem Sohn entführt. Die Zahl der Entführungen ist im Mai wieder stark angestiegen, Bereits im vergangenen Jahr wurden über 1.000 Menschen in Haiti entführt, davon etwa 80 Ausländer*innen. Zumeist werden sie anschließend gegen Lösegeld wieder freigelassen.


Dieser Beitrag erschien am 10.05.022 auf npla.de, lizensiert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international. Originalartikel: alterpresse/prensa latina

Titelbild: Auf den Berg gebaute Häuser in Haitis Hauptstadt Port au Prince. Foto: Heather Suggitt auf Unsplash

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