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Fußball: Marokko ist nicht die erfolgreichste Nation Afrikas

Der Senegal konnte in den vergangenen Jahren noch mehr Erfolge einfahren als Marokko.

Von David Bieber

Dakar. Marokkos Fußballer sind nach der Weltmeisterschaft in Katar in aller Munde. Völlig zu Recht. Als erste Mannschaft aus Afrika schafften es die Löwen vom Atlas ins Halbfinale. Verloren dort etwas unglücklich gegen den späteren Vizeweltmeister Frankreich. Im kleinen Finale, im Spiel um Platz drei, fehlte dann – nach kräftezehrenden sieben Spielen vorab – ein wenig die nötige Energie, um den Kroaten dauerhaft Paroli zu bieten. Dennoch ist der vierte Platz eine riesige Sensation und ein großer Erfolg für das nordafrikanische Land und den marokkanischen Fußball insgesamt.

Was aber die wenigsten auf der Rechnung haben angesichts des historischen Erfolgs von Marokko, ist, dass die erfolgreichste afrikanische Mannschaft der vergangenen Jahre eine andere ist. Und bei der diesjährigen Weltmeisterschaft mit dem Einzug in die K.o.-Phase ebenfalls auf sich aufmerksam machte – und das ohne ihren Weltstar.

Der westafrikanische Senegal um ihren aktuell noch verletzten Topstürmer Sadio Mané vom FC Bayern München ist in den vergangenen Jahren noch erfolgreicher als Marokko oder irgendeine andere afrikanische Mannschaft gewesen. Zwar war im WM-Achtelfinale gegen zu starke Engländer Schluss, dennoch zeigten die Senegalesen insbesondere in der Gruppenphase überzeugende Spiele.

Allein die drei zurückliegenden Jahre machte den Senegal zur erfolgreichsten Mannschaft Afrikas. In diesem Jahr haben die Löwen von Teranga erstmals die Afrika-Meisterschaft gewonnen und haben ebenso nationale Fußballgeschichte geschrieben. Im Finale gegen Rekordsieger Ägypten entschied der Elfmeter von Mané im Elfmeterschießen das umkämpfte Finale. Der Senegal feierte tagelang. Staatspräsident Macky Sall verordnete nach dem sonntäglichen Endspiel den darauffolgenden Montag kurzerhand zum freien Tag. Nach einigen verlorenen Finals wartete das fußballverrückte Land seit einer halben Ewigkeit auf den Pokal. Entsprechend groß war die Freude über den ersten Sieg.

Marokko schied beim Afrika-Cup im Februar dieses Jahres in Kamerun hingegen bereits im Viertelfinale gegen Ägypten aus. Die Elf der Marokkaner von damals ist aber nicht mit der Mannschaft von der Weltmeisterschaft in Katar zu vergleichen, auch war damals der umstrittene, aber erfolgreiche Vahid Halilhodžić noch Trainer der Löwen vom Atlas. Der Bosnier führte Marokko ungeschlagen durch die WM-Qualifikation. Kurz vor dem Turnier in Katar musste er wegen „Meinungsverschiedenheiten“ mit der Verbandsführung trotzdem gehen. Hintergrund war ein Machtkampf mit Superstar Hakim Ziyech vom FC Chelsea. Diesen und dessen Freund Noussair Mazraoui vom FC Bayern München berücksichtige er nicht. Das sorgte für einen Eklat.

Sieht man sich die Ergebnisse bei der Afrikameisterschaft von 2019 an, so liegt auch hier der Senegal vor Marokko. Senegal zog damals ins Endspiel gegen Algerien ein und verlor, Marokko schied bereits im Achtelfinale gegen Benin aus. Überhaupt hat Marokko seit 2004 kein Halbfinale bei der kontinentalen Fußballmeisterschaft mehr erreicht. Der Senegal in dieser Zeit allerdings drei.

Die enthusiastischen Westafrikaner sind für ihre Erfolge auch reichlich geehrt worden. Sadio Mané wurde im Sommer zum zweiten Mal nach 2019 zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt. Vier weitere Titel gingen ebenfalls in den Senegal bei den sogenannten CAFAwards, eine Gala der Afrikanischen Fußball-Union (CAF) für ehrenvolle Leitungen im afrikanischen Fußball. Auch Trainer Aliou Cissé wurde zum besten Trainer gewählt. Gleiches galt für das gesamte Team. Die Gala fand ausgerechnet in Marokkos Hauptstadt Rabat statt.

Aber nicht nur diese Ehre wurde dem senegalischen Fußball zuteil. Und machte dieses Jahr zum mit Abstand erfolgreichsten der Verbandsgeschichte. Im vergangenen Oktober ist der im Land als Volksheld gefeierte Mané bei der Wahl zum Ballon d’Or in Paris zum zweitbesten Fußballer des Jahres gekürt worden. Der Ballon d’Or gilt als die wichtigste Individualauszeichnung im Fußball. Hinter dem Franzosen Karim Benzema gilt der 30 Jahre alte Mané somit nun als zweitbester Spieler der Welt. Der quirlige und bescheidende Flügelstürmer widmete den Preis prompt seinem Land.

Mehr noch: Mané ist zudem mit dem erstmals verliehenen Prix Sócrates ausgezeichnet worden. Als Anerkennung für sein außergewöhnliches soziales Engagement erhielt der Senegalese diesen Preis. „Ich bin einfach froh, dass ich hier sein darf. Ich rede nicht gerne über mein Engagement, aber ich tue, was ich kann für mein Volk und versuche, die Dinge in meinem Land zu verbessern“, erklärte Mané am Rand der Gala. Mané finanziert den Bau von Schulen, Krankenhäusern, Bildungseinrichtungen und Moscheen in seinem armen Heimatdorf Bambali, das im äußersten Süden des Senegals liegt.


Titelbild: Md Mahdi auf Unsplash

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