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China und Österreich – Kulturarbeit jenseits von Klischees

Wo Vorurteile dominieren, kann kultureller Austausch Verständnis schaffen und neue Perspektiven auf beide Gesellschaften eröffnen.

Von Padraig Lysaght, Wien (Zeitschrift INTERNATIONAL, Heft II/2026)

In der heutigen globalisierten und sich immer schneller in verschiedene Richtungen entwickelnden Welt ist internationale Kulturarbeit nicht nur spannend, sondern besonders wichtig. Die Kultur als Vehikel der Völkerverständigung ist ein mächtiges Werkzeug im Dialog und kann mit, wie auch ohne Politik auf einer friedensfördernden, akademischen wie auch nicht akademischen Ebene betrieben werden.

Kulturarbeit stellt den Menschen, lokale, regionale, nationale und internationale Gemeinsamkeiten in den Vordergrund.

Sie macht Kunst und Künstler:innen sichtbarer und ermöglicht uns, einen Zugang zum zuvor Fremden zu entdecken. Gerade in Bezug auf China, einen aus der heutigen Zeit nicht mehr wegdenkbaren Raum verschiedenster kultureller und zivilisatorischer Leistungen, eröffnen sich unzählige Möglichkeiten. In einer Welt, in der Inhalte immer öfter auf 30-Sekunden-Kurzbeiträge optimiert werden, greift man gerne auf Vereinfachungen und Verallgemeinerungen zurück. Dabei wird der interessierte Mensch oft mehr im Stich gelassen, als mit brauchbaren Informationen versorgt.

Mit mehr als 5.000 Jahren Zivilisationsgeschichte und einer Bevölkerung von etwa 1,4 Milliarden Menschen, ist der Raum China als Ganzes wohl kaum fassbar.

Auch jahrzehntelange Beschäftigung mit dem Reich in der Mitte gestattet kaum mehr als eine Annäherung an die große Vielfalt an Kultur, Traditionen, moderner Entwicklung, Bevölkerungsgruppen, Geschichte, Kunst u.v.m. Dazu kommt eine in verschiedenen Zeiten jeweils unterschiedliche Grunderwartungshaltung, die oft durch die verfügbaren Medien, aber auch die Politik beeinflusst wird und zwischen Euphorie und Verteufelung zu schwanken vermag. So wurde und wird das Chinabild in Mitteleuropa durch viele Faktoren und unterschiedliche Sichtweisen geprägt und beeinflusst – zum Guten, wie auch zum Schlechten. Einzelne Fallbeispiele zur Untermauerung einer bestimmten Ansicht herauszugreifen, ist bei einer aktuellen Bevölkerungszahl der Volksrepublik China wohl für so ziemlich jedes Beispiel möglich. China, das ist erst einmal weit weg, exotisch und vermeintlich anders. „Das Chinesische ist hochkompliziert und für Europäer:innen unmöglich zu erlernen“, lautet eine weitere häufig anzutreffende Ansicht. China wird gleichzeitig als einfallsloses Land von „Billigkopien“ und als hochgefährlicher Technologierivale beschrieben, der es wagt, den „Westen“ durch seine „minderwertigen“ Produkte auf dem Weltmarkt zu überholen. Getragen werden solche Bilder durch ein historisches Erbe von Rassismus (wie etwa der viel beschworenen „Gelben Gefahr“, oder Figuren wie dem Erzschurken Dr. Fu Man Chu der einschlägigen Sax-Rohmer-Romane), Sorgen um die Zukunft und vor allem anderen mangelnder Information.

Kultur ist keine Einbahnstraße

Genau hier muss Kulturarbeit ansetzen und den Bau von Brücken zwischen Kulturen, Sprachen und Menschen vorantreiben. Dadurch wird ein erheblicher Beitrag zur Völkerverständigung und gegenseitigem Verständnis geleistet. Diese Arbeit geschieht auf verschiedenen Ebenen – jede davon wertvoll und konstruktiv. Vom begeisterten Individualtouristen, der über seine Reise ins jeweils andere Land erzählt, bis hin zu den Kulturinstituten, wie etwa dem Konfuzius-Institut an der Universität Wien oder dem Österreichischen Kulturforum in Peking. Eine weitere hervorragende Möglichkeit, um die Verständigung auf kultureller Ebene zu vertiefen, sind Initiativen wie der internationale Sonderpreis des Österreichischen Musiktheaterpreises, welche die heimische, aber auch internationale Kulturszene effektiv und in positivem Umfeld miteinander in Berührung bringen. Dabei ist Kultur niemals eine Einbahnstraße. Auch wenn auf den ersten Blick bei einer Veranstaltung „nur“ ein einzelner Aspekt einer anderen Kultur präsentiert wird, so geht es dennoch um die Interaktion und Rezeption dieses in der eigenen Kultur und die Auseinandersetzung damit. Dazu braucht es vor allem kein spezifisches Fachwissen, sondern nur die Bereitschaft über den sprichwörtlichen Tellerrand zu blicken und die eigene Wahrnehmung somit zu erweitern.

Ein Beispiel bietet die Kulturarbeit des Konfuzius-Instituts an der Universität Wien. Hier werden Personen mit einem Interesse an China bzw. chinesischer Kultur in jedem Fall fündig. Angeboten werden Sprachkurse von der Anfängerin ohne Vorkenntnisse, bis hin zum Profi-Level, aber auch Kulturkurse, wie etwa jene zu typisch chinesischen Musikinstrumenten (Guzheng – eine Art von Zither, oder Pipa – einer Gitarre nicht unähnlich – und Hulusi, eine Kürbisflöte), oder dem chinesischen Weiqi-Spiel (hierzulande auch oft als „Go“ bekannt), die überhaupt keine Sprachkenntnisse erfordern, angeboten. Wer keinen Kurs besuchen möchte, interessiert sich vielleicht für das Workshopangebot zu verschiedenen traditionellen, wie auch modernen chinesischen Kulturtechniken – von Kalligraphie über Scherenschnitt, zu Gesang, Knotenkunst, Memes bis hin zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Schließlich bietet das Institut eine Vielzahl von Kulturveranstaltungen in verschiedenen Formaten an: von Konzertserien im Mozarthaus Vienna, Kinobesuchen, Vorträgen zu diversen Themen, Ausstellungen wie etwa „Weaving the Present“ oder „20 Frauen aus China von denen man gehört haben sollte“, bis hin zur Unterstützung für das „World Peace Choral Festival“ oder den „UN Chinese Language Day“ bei den Vereinten Nationen in Wien. Sichtbar gemacht werden diese und viele andere Aktivitäten durch Berichte in verschiedenen Medien, insbesondere aber auch durch das TV-Format „Treffpunkt China-Österreich“ in einer Mischung zwischen Tradition und Gegenwart.

Chinesische Kulturarbeit in Österreich

Bei all diesen kulturellen Angeboten stehen natürlich die teilnehmenden Personen im Mittelpunkt. Möglich wird all dies vor allem durch kompetente Kooperationspartner. Die Liste für chinesische Kulturarbeit in Österreich ist zu lang, um sie komplett aufzuzählen, daher seien repräsentativ ein paar der hervorstechendsten, wie das bekannte Urban Forum, uniart, die UNWG, das Bildungszentrum für chinesische Sprache in Wien, ArtProjekte, ICC und Sonata Wien genannt. Ganz besonders zu erwähnen sind natürlich die Universität Wien und die Beijing Foreign Studies University sowie die offiziellen Stellen der Stadt Wien, Österreichs und Chinas sowie der EU und der Vereinten Nationen, die auch immer um kulturellen Austausch bemüht sind.

Chinesische Kultur nach Österreich und österreichische Kultur nach China zu bringen, ist ein lohnendes Unterfangen, das zur Bildung der Bevölkerungen ebenso beiträgt, wie auch als Mittel zum Abbau von Vorurteilen, zur Bekämpfung von Rassismus und zur Stärkung eines friedlichen Miteinanders auf der Basis von gegenseitigem Respekt und Anstand. Eine der besten Möglichkeiten, die jeweils andere Kultur zu erkunden, bleibt natürlich selbst in das jeweils andere Land zu reisen und sich ein Bild vor Ort zu machen. Schließlich heißt es schon bei Konfuzius „Wenn Freunde aus der Ferne kommen, ist das nicht ein Grund zur Freude?“


Padraig Lysaght hat Sinologie, Geschichte und International Relations sowie Global Studies studiert. Er ist seit 2025 Direktor des Konfuzius-Instituts an der Universität Wien sowie seit zehn Jahren Lehrbeauftragter an der Universität Wien und der Theresianischen Militärakademie.


Titelbild: Konfuzius (Foto: PxHere; CC0 Public Domain)

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