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Sonntag ist Büchertag: Der Schein trügt

Als „Spannungs-Bestseller des Jahres 2019“ wird „Die stumme Patientin“ von Alex Michaelides bezeichnet und dabei vor allem Fans von „Gone Girl“ und „The Woman in the Window“ empfohlen. Doch mit diesen erstklassigen Thrillern kann dieses Buch in vielerlei Hinsicht nicht mithalten. Wer den Thriller mit hohen Erwartungen aufschlägt, wird ihn höchstwahrscheinlich enttäuscht wieder schließen. 

Von Eva Unterrainer

Buchcover
Alex Michaelides – Die stumme Patientin (Droemer Verlag)

Die Geschichte an sich klingt (zumindest im Klappentext) ganz interessant. Die Malerin Alicia sitzt seit sieben Jahren in einer geschlossenen Anstalt und hat seit dem Mord an ihrem Ehemann kein Wort gesprochen, sondern lediglich ein Bild gemalt. Der neue Psychotherapeut der Anstalt, Theo Faber, hat ganz besonderes Interesse an ihrem Fall und will sie nun zum Sprechen bringen. Rätselhafter Mord + verstummte Täterin (?) + eine Vielzahl an Geheimnissen – das scheint doch eigentlich nach einer echten Erfolgsgarantie für Psychothriller. Doch bei „Die stumme Patientin“ geht die Rechnung leider nicht auf. Weder die Storyline noch die „Twists“ schaffen es, eine_n beim Lesen wirklich zu fesseln. Meiner Meinung nach der größte Wermutstropfen: die unnahbaren, fast schon langweiligen Charaktere.

Zum einen liest man die Geschichte aus der Sicht von Theo Faber, dem Therapeuten. Zum anderen erlebt man Geschehnisse aus Vergangenheit und Gegenwart aber auch in Form von Tagebucheinträgen durch die Augen der Patientin sowie Hauptverdächtigen im Mordfall, Alicia. Beide Protagonist_innen werden als kalt, verschlossen und distanziert dargestellt. Bei Alicia überrascht das nicht, da sie kein Wort spricht, doch auch Theo Faber ist von Anfang an nicht viel mehr als unsympathisch und uninteressant.  Zwar geht der Autor bei beiden Charakteren sehr stark auf ihren Hintergrund, ihre privaten Beziehungen und Gefühle ein, trotzdem fällt es schwer, zu ihnen eine Bindung oder wenigstens ein bisschen Sympathie zu entwickeln. Das wird mit steigender Seitenzahl auch nicht besser. 

Der Spannungsfaktor bleibt bei „Die stumme Patientin“ leider auch auf der Strecke. Immer wieder lässt Alex Michaelides das Fachwissen aus seiner eigenen Arbeit als Psychot…

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