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Ménage à trois der sprachlichen Extraklasse

Seit vier Jahren wird Sally Rooney von Kritiker*innen und (prominenten) Lesenden gleichermaßen als Shootingstar der englischsprachigen Literatur gefeiert. Ihr aktueller Roman „Schöne Welt, wo bist du“ ist schon jetzt ein Bestseller. Grund genug, sich ihren Debütroman und literarischen Durchbruch „Gespräche mit Freunden“ noch einmal genauer anzusehen. – Sonntag ist Büchertag

Von Eva Unterrainer

Buch liegt auf Steinboden, rundherum Korken
Sally Rooney – Gespräche mit Freunden (btb-Verlag)

Frances und Bobbi sind beste Freundinnen, aufgeklärte Studentinnen am renommierten Trinity-College in Dublin und ein ehemaliges Liebespaar. Sie treten gemeinsam recht erfolgreich bei Poetry-Slams auf, Frances schreibt die Texte, Bobbi performt besser. Als die beiden sich mit dem Künstler-Ehepaar Melissa und Nick anfreunden, ist das der Beginn eines großen Durcheinanders von Beziehungen. Während Bobbi sich auf Anhieb zu der Fotografin Melissa hingezogen fühlt, die den Studentinnen sehr viel Aufmerksamkeit schenkt und sie zu Veranstaltungen, privaten Partys und einmal sogar ins Ausland einlädt, beginnt Frances sich allmählich für deren Ehemann Nick, einen mittelmäßig erfolgreichen Schauspieler Anfang 30, zu interessieren. Turbulenzen sind dabei vorprogrammiert.

Das Set-up an sich ist nichts neues. Im Grunde genommen geht es in „Gespräche mit Freunden“ um Dreiecksbeziehungen, verletzte Gefühle und Geheimnisse. Die Protagonist*innen unterscheiden sich untereinander nicht nur durch ihr Alter, sondern auch durch soziale Herkunft und politische Einstellungen. So treffen finanzielle Existenzängste auf Sommerurlaub in Frankreich und die Abneigung zum Kapitalismus auf das exklusive Stadthaus in Dublin.

„Gespräche mit Freunden“ hält, was der Titel verspricht. Der Roman besteht zu einem großen Teil aus Diskussionen, Unterhaltungen, Erörterungen der Protagonist*innen – ob bei einem Gläschen sehr teurem oder sehr billigem Wein, auf Kulturevents oder via E-Mail – ja, 21-jährige Studentinnen kommunizieren in Sally Rooneys Welt per Mail. Dabei werden die in ihrer Bubble ganz großen Themen, wie Politik, Sex, Literatur, Beziehungen oder Kunst, diskutiert – und das sowohl mit Intellekt als auch Humor.

Die Gespräche sind durchaus unterhaltsam, die Charaktere sehr komplex, der Verlauf der Liebesgeschichte(n) nicht vorhersehbar. „Gespräche mit Freunden“ verkörpert das Lebensgefühl zweier Generationen auf eine sehr eindrucksvolle und spannende Art und Weise. Was den Roman aber von den Werken anderer Autor*innen abhebt, ist seine rhetorische Stärke. Eindrucksvolle Metaphern, kluge Beobachtungen, verpackt in messerscharfe Dialoge, bis ins kle…

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