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Alles wird schlimmer, oder: Das »Prinzip Hoffnung«

Kriege, Klima, Krankheiten – die Wirklichkeit als permanentes Inferno. Unsere Sicht auf die Welt bestimmt das Negative. Fehlende Fakten sind dabei ein Problem in der öffentlichen Debatte, ebenso die Neigung, Fakten für irrelevant zu halten. Viele von uns pflegen ihr ignorantes, bequemes Unwissen. Dabei gibt es auch positive Entwicklungen – nur: Wir nehmen solcherlei gute Nachrichten nicht zur Kenntnis. Kein guter Zustand.

Ein Essay von Helmut Ortner

Vor nicht langer Zeit, bei einem angenehmen Abendessen unter Freunden, wurde, als es dem süßen Dessert zuging, mal wieder lamentiert und geklagt: über die Welt in der wir leben, und der es nicht gut geht.  Klima-Katastrophe, Kriege, Hunger, Flucht,  – und ja, klar … die »Politische Klasse«, diese karrieresüchtigen, selbstbezogenen, narzisstischen Ego-Typen. Kurzum: Es war  ein anregender, launischer Abend. Ein Runde gleichgesinnter Pessimisten (selbstredend auch Pessimistinnen), bis irgendwer dann die Frage  stellte, zu welchem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte man denn gerne gelebt  hätte…  Was ist das denn für eine Frage? Kollektives Kopfschütteln, ausholende Gesten, großes Palaver. Und doch fand die Tischgesellschaft rasch eine einhellige Antwort: Heute!

Nur Robert, seit jeher ausgestattet mit einer soliden Grundausstattung an Gegenwartsverachtung, blieb seiner Rolle als eigensinniger Solitär gerecht. Ja, es stimme, es gibt viele Verbesserungen auf der Welt, aber ist es nicht so: die Kriege,  der weltweite Terrorismus, Hundertausende  auf der Flucht, die Meere verschmutzt, das Polareis schmilzt. Nicht zu übersehen der weitweite Rüstungswahn, Organisiertes Verbrechen, … und dann auch noch eine Welt voller zweifelhafter Polit-Figuren: Putin, XI Jinping, Lukaschenko, Erdogan ­­ – allesamt finstere Diktatoren und Menschenschinder. Er sei amüsiert über unsere hedonistische Einfalt, die entweder einer naiven Weltsicht oder luxuriöser Ignoranz geschuldet sei. Roberts Fazit: Die Gegenwart sei absolut konkurrenzfähig mit anderen düsteren Zeiten, nichts sei besser. Im Gegenteil, allerorten Gier, Egoismus, Machtmissbrauch, Dummheit… Wir einigten uns schließlich darauf: Wir leben in unsicheren, wirren, ambivalenten Zeiten.

Mein Freund Robert ist kein Griesgram, kein Misanthrop, doch er ist in guter Gesellschaft. Über die Hälfte der Deutschen etwa meinen, die Welt ist schlecht – und sie wird immer schlechter. Gerade jetzt: Ukraine-Krieg, Klima-Katastrophe, Pandemie… Ein permanentes Inferno.

Doch es gibt auch einige hoffnungsvolle Fakten, Zahlen und Statistiken gegen die grassierende Gegenwartsverzweiflung. Einige Beispiele: Wir unterschätzen den weltweiten Rückgang der Armut, wir wissen nicht, dass über 60 Prozent aller Mädchen in Ländern mit niedrigen Einkommen mittlerweile die Grundschule absolvieren, nur wenige ahnen, dass heute weniger als halb so viele Menschen bei Naturkatastrophen sterben wie vor 100 Jahren und 80 Prozent aller Einjährigen geimpft werden. Wir registrieren kaum, das sich die Rechte der Frauen, dass sich Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit in vielen Teilen der Welt in den letzten Jahrzehnten erfreulich verbessert haben.  Viele von uns – mich nicht gänzlich ausgenommen – pflegen ihr pessimistisches Weltbild, böse gesagt, ­ – ihr ignorantes, bequemes Unwissen.

Dabei sind es doch gerade wir Europäer*innen, insbesondere wir Deutschen, denen es vergönnt ist,  seit langem friedlich, sicher, gesu…

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