Wer kennt Diego Garcia?
Die bürgerlichen Medien kennen derzeit neben Covid nur ein einziges Thema: den Kampf des „Westens“ gegen Putin. Die Causa „Diego Garcia“ würde aber medial auch in der Saurengurkenzeit untergehen. Denn sie wirft absolut kein gutes Licht auf unsere ach so werte-orientierte westliche Welt.
Von Andreas Pittler
Diego Garcia?
Nun, wer es nicht weiß, Diego Garcia ist eine Insel. Benannt nach einem spanischen Entdecker des 16. Jahrhunderts, liegt sie mitten im indischen Ozean, über 700 Kilometer von den Malediven und fast 2.000 Kilometer von den Seychellen entfernt. Das Eiland ist nur 27 Quadratkilometer groß, in etwa die Fläche von Döbling. Im Durchschnitt erhebt sich das „Land“ nur wenig mehr als einen Meter über den Meeresspiegel, der höchste „Berg“ misst gerade einmal 20 Meter. Der Legende nach soll der Seefahrer Diego Garcia die Insel 1544 erspäht und flugs nach sich selbst benannt haben. Ebensogut möglich ist allerdings, dass er sie, nachdem er eine halbe Ewigkeit auf hoher See herumgeschippert war und endlich Land gesehen hatte, „Deo gratias“ nannte („Dank sei Gott“), was die Briten, des Lateinischen nicht mächtig, in Diego Garcia umdeuteten.
Die Briten waren es nämlich, die die Insel im Gefolge des Wiener Kongresses für sich beanspruchten. Sie beabsichtigten, auf ihr intensive Plantagenwirtschaft zu betreiben, zu welchem Zweck sie eifrig Sklaven auf Diego Garcia brachten. Gleichwohl blieb das Öl der Kokosnüsse der einträglichste Exportartikel des kleinen Landstücks. Und auch wenn die Sklaverei 1838 formell abgeschafft wurde, so blieb doch klar, wer da Herr war und wer Knecht. Jedenfalls wuchs die Bevölkerung, Ilois genannt, bis in die 1960er Jahre auf rund 2.000 Personen an, und das war für die Briten ein Problem.
Die verpachteten Diego Garcia nämlich an die Amerikaner, die den besonderen Wert der Insel erkannt hatten. Die USA nutzen sie nämlich ausschließlich militärisch oder geheimdienstlich. Die strategisch günstige Lage zwischen Afrika, Australien, Indien und der Arabischen Halbinsel macht die Insel für exakt diese Nutzung interessant. So bauten die Amerikaner zuallererst einmal einen Flughafen, dann einen kleinen Hafen und schließlich einen U-Boot-Stützpunkt.
Militärischer Hoch- und Spähposten
Ebenfalls aufgrund der militärischen Nutzung werden dort ein Mittelwellen-, zwei Ultrakurzwellen-Radiosender und drei Fernsehsender betrieben. Alle Arten der Anbindung (weitere Fernseh- und Radiosender, Telefon und Internet) werden über Satellit abgewickelt. Die dazugehörige Bodenstation wird von Cable & Wireless Diego Garcia betrieben. Selbst in Mitteleuropa wird von Kurzwellenhörern berichtet, sie hätten den Kurzwellensender American Forces Network empfangen.
Damit all diese geheimdienstlichen und militärischen Strukturen in aller Ruhe errichtet werden konnten, beschloss man, die Einheimischen einfach zu vertreiben. So wenig, wie ihre Vorfahren gefragt wurden, ob sie als Sklaven auf Diego Garcia malochen wollten, so wenig fragten die Yankees deren Nachkommen, ob sie nach Mauritius übersiedeln wollten. Man verfrachtete sie einfach auf B…

