Archaische Jäger gegen fossile Offshore-Plattform
Die temporäre Installation „The Hunt“ auf der griechischen Insel Othonoi verbindet eine künstlerische Intervention mit Fragen nach Offshore-Bohrungen, Energiepolitik und dem Schutz sensibler Küstenlandschaften.
Von Michael Wögerer

Auf dem abgelegenen Strand Aspri Ammos der griechischen Insel Othonoi stehen zwei Jäger einer Offshore-Plattform gegenüber; archaisch wirkende Figuren treffen auf das Symbol moderner Rohstoffpolitik. Mit der temporären Kunstintervention The Hunt bringt der griechische Künstler The Krank einen Konflikt ins Bild, den Regierungen und Energiekonzerne lieber in Karten, Fachpapieren und Genehmigungsverfahren verstecken: die geplante fossile Erschließung eines sensiblen Meeresraums.
Die Jäger erinnern an prähistorische Höhlenmalerei, die Plattform an eine Zukunft, die als technischer Fortschritt verkauft wird und doch an ein altes Muster anknüpft: nehmen, ausbeuten, verbrennen. Gerade weil The Hunt nicht in einem Ausstellungsraum, sondern direkt in der Landschaft inszeniert wurde, lenkt die Arbeit den Blick auf den konkreten Ort des Konflikts. Sie thematisiert damit nicht nur die geplante Förderung, sondern auch die möglichen Folgen für Naturraum und Küste.
Die Intervention blieb nur für die Dokumentation bestehen und wurde anschließend vollständig entfernt. Dauerhaft ist nicht das Material, sondern die Verschiebung des Blicks. Plötzlich ist der Horizont nicht mehr bloß schön, sondern umkämpft. Die Küste erscheint nicht mehr als Postkartenmotiv, sondern als politischer Raum.
„Am letzten Tag der Installation fragten die Besucher immer wieder, ob das schwarze Material dem Strand schaden würde. Als wir gemeinsam zu den Felsen gingen und auf das Werk zurückblickten, verlagerte sich das Gespräch vom Material selbst hin zu dem geplanten Erkundungsgebiet vor der Küste am Horizont.“ – The Krank
Die Arbeit macht sichtbar, dass fossile Projekte nicht erst mit der Bohrung beginnen, sondern viel früher – in Planungen, Konzessionen und der stillen Gewöhnung daran, dass selbst entlegene Landschaften zur Verfügungsmasse der Energiewirtschaft werden.
Fossile Pläne im Ionischen Meer

Der Hintergrund ist konkret. Othonoi liegt gegenüber dem Offshore-Gebiet Block 2 im nordwestlichen Ionischen Meer. Laut Projektseite befindet sich die Installation in Blickrichtung des Gebiets, nahe jener Zone, in der Erkundungen nach Kohlenwasserstoffen geplant sind.
Der Energiekonzern HELLENiQ ENERGY erklärte 2025, Block 2 sei die am weitesten fortgeschrittene Offshore-Konzession Griechenlands; eine Explorationsbohrung werde für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet, sofern die nötigen Genehmigungen vorliegen.
Damit bekommt The Hunt eine Schärfe, die weit über symbolische Kunst hinausgeht. Die Arbeit erinnert daran, dass die Klimakrise nicht durch neue Förderfronten zu lösen ist und dass demokratische Gesellschaften mehr brauchen als technische Machbarkeitsrhetorik. Sie brauchen öffentliche Auseinandersetzung darüber, wem Landschaften gehören, wer Risiken trägt und warum ausgerechnet in einer ökologischen Krise weiter an der fossilen Vergangenheit gebaut wird.


