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„Land des Friedens, Österreich“

Zum Nationalfeiertag am 26. Oktober hat der Klagenfurter Friedenspädagoge Werner Wintersteiner eine pazifistische Hymne für Österreich formuliert – eine Gegenfassung zur Bundeshymne, die von Vielfalt, Neutralität und der „Heimat Erde“ singt. Anlass war die Angelobung der „Ersten österreichischen Friedenstruppe“, zu der die „Friedensplattform Kärnten / Koroška mirovna platforma“ am 22. Oktober in Klagenfurt/Celovec aufgerufen hatte.

Ein Gegenentwurf im selben Takt

Wer eine Hymne umdichten will, hat es nicht leicht: Der neue Text muss sich zur Melodie der Bundeshymne singen lassen – und damit der Historie standhalten, die in jeder Strophe mitklingt. Die Melodie der österreichischen Bundeshymne stammt aus dem sogenannten „Bundeslied“ bzw. „Kettenlied“, das der Partitur von Mozarts letztem vollendetem Werk, der Freimaurerkantate (KV 623), beigebunden und am 14. November 1792 in Wien erschienen ist. Traditionell wird die Melodie Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben – sicher ist das jedoch nicht: Spätestens seit den 1960er Jahren bezweifeln Musikforscher die Mozart-Zuschreibung; einige führen das Bundeslied auf den „Claviermeister“ Johann Baptist Holzer zurück, neuere Forschungen des Musik- und Freimaurerforschers Philippe Autexier sehen stattdessen Paul Wranitzky als möglichen Urheber. Zur offiziellen Hymne wurde die Melodie am 22. Oktober 1946 per Ministerratsbeschluss, der Text von Paula von Preradović wurde am 25. Februar 1947 beschlossen.

Wintersteiners „Pazifistische Hymne der Menschen in Österreich“ beginnt zwar, wie das Original von Preradović, mit „Land der Berge, Land am Strome“, dreht dann aber schon in der zweiten Zeile alles auf den Kopf. Statt Äcker und Dome feiert die neue Fassung die multiethnische Realität des Landes: „Bunt die Herkunft, die Idiome, / Sprachenreigen überreich.“

Wo die Bundeshymne vom „wild umstrittenen“ Land spricht, heißt es bei Wintersteiner nüchterner und zugleich hoffnungsvoller: „Heiß umfehdet, oft zerstritten“ – und die Berufung des Landes wird neu definiert: als „Friedensreich“ und als „stets neutrales Österreich“. Die dritte Strophe schließlich wendet den Blick über den Tellerrand der Nation hinaus: Gefordert ist Österreich, „den Kriegen Einhalt [zu] bieten / Und die ‚Heimat Erde‘ [zu] hüten“ – ein Verweis auf Wintersteiners Konzept einer „Friedensrepublik Österreich im Heimatland Erde“, das er auch in Unsere Zeitung bereits vorgestellt hat.

Der vollständige Text der „Pazifistischen Hymne der Menschen in Österreich“ von Werner Wintersteiner:

Land der Berge, Land am Strome,               
Bunt die Herkunft, die Idiome,
Sprachenreigen überreich.                
Gleichberechtigt Töchter – Söhne,               
In der Vielfalt liegt das Schöne,                   
Zukunftsfrohes Österreich,                           
Zukunftsfrohes Österreich.

Heiß umfehdet, oft zerstritten,                     
Liegst dem Erdteil du inmitten,                   
Berufen als ein Friedensreich.
Kannst besser als in Ahnentagen
Hoher Sendung Last nun tragen,
Stets neutrales Österreich,
Stets neutrales Österreich.    

Mutig auch in schweren Zeiten
Der Zukunft einen Weg bereiten.
Tatenfroh und hoffnungsreich.
Sollst den Kriegen Einhalt bieten
Und die „Heimat Erde“ hüten.
Land des Friedens Österreich,                      
Land des Friedens Österreich.

Der Autor

Werner Wintersteiner, geboren am 24. Juni 1951 in Wien, ist österreichischer Germanist, Friedenspädagoge, Herausgeber und Hochschullehrer. Er war Gründer und langjähriger Leiter des „Zentrums für Friedensforschung und Friedensbildung“ an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und ist Universitätsprofessor im Ruhestand. International ist er unter anderem als Gründungsdirektor der Global Citizenship Foundation ausgewiesen. 2025 gab Wintersteiner den Band „Mehr Sicherheit ohne Waffen. Zur Aktualität von Hans Thirrings Friedensplan“ (Promedia) heraus. In der UZ sind bisher unter anderem diese Beiträge von ihm erschienen:


Titelbild: Unsere Zeitung / KI-generiert

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