Österreich hat ein Naziproblem und die Medien sind ein Teil davon

[3K – Massenmedien am Montag: Folge 70]

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ZIB Magazin mit Screenshot von Unsere Zeitung, 13.8.2015 (UZ auf Facebook). Link zum Artikel hier.

30 Schüsse, drei Tote, ein Dutzend Verletzte, von denen einer noch im Spital ums Leben kämpft. Das ist das Ergebnis des Amoklaufs von Nenzing in der Nacht zum letzten Wahltag. Der Schütze Gregor S., der sich nach seinem wahllosen Geballer selbst richtete, war ein aktenkundiger Neonazi.

Die Tat hatte keinen politischen Hintergrund, sondern wurzelte in einem Beziehungsstreit, der durch den Rausch der Beteiligten S. und dessen Exfreundin gesteigert wurde. Dennoch muss der Nazi-Konnex behandelt werden, denn: Natürlich wäre über dieses Blutbad anders berichtet worden, hätte trotz ähnlicher Gründe ein Migrant, ein Moslem abgedrückt, nicht ein Sympathisant des neofaschistischen Terrornetzwerks Blood & Honour. Es breitet sich im Westen wieder aus und demonstrierte schon mit den Identitären. Ansässige Medien reden vom Grazer Dschihad-Prozess, während das Netzwerk Braunau besucht und Rechtsrock-Konzerte im Ländle abhält.

Apropos Braunau: Auf keinem Kanal läuft eine Sondersendung zum Doppelsuizid. War ja auch kein Ehrenmord. Denken wir an den Brunnenmarkt zurück: Der Mörder ist ein Kenianer, dessen Visum lange abgelaufen war. Denken wir an die Amokfahrt von Graz: Der Mörder stammte aus Bosnien. In beiden Fällen machte nicht die geistige oder soziale Verfassung der Täter, sondern ihre Herkunft Schlagzeilen. Über Kapfenberg, wo ein weißer Christ zustach, spricht niemand mehr. Denken wir daran, dass unsere Leitmedien nach Monaten der Willkommenskultur zur Dokumentation gefühlt jeder Vergewaltigung durch Ausländer übergegangen sind. Der Pöbel skandierte wohl zu lange „Lügenpresse“, Fakten hin, Beweise her.

Viele ExpertInnen feiern, dass in Österreich bislang kein Asylheim brennt. Sie vergessen jedoch, dass es zahlreiche, wenngleich vereitelte wie dilettantische Versuche in diese Richtung gab: In Kärnten gleich mehrmals, in Tirol, in Oberösterreich. Der Verfassungsschutz berichtet von einer deutlichen Zunahme rechts motivierter Straftaten im Jahr 2015. Er weiß von Verhetzung in sozialen Medien, kennt 289 Fälle von Sachbeschädigung und 15 von Körperverletzung. Jetzt wird sogar zur Gewalt gegen Alexander Van der Bellen und seine WählerInnen aufgerufen.

All das gründet in heftigen globalen Krisen und einer antisozialen Politik, welche die FPÖ mitträgt. Parolen wie „Daham statt Islam“ lenken ab und verschärfen das. Nun ist der Mainstream nach ausführlicher NLP-Kritik an Norbert Hofer vom Aufruf der Blauen zur Mäßigung auf Facebook beeindruckt. Niemand merkt, dass das abermals ein Trick ist. Seit Jahren teilen Strache und Co. Verschwörungstheorien, Fakes und Gerüchte im Web. Plötzlich kann er tausende Hasskommentare unter seinen Postings nicht mehr kontrollieren? Wer glaubt das, während sein Social Media-Team weiter gezielt gegen Kritik vorgeht? Medien, die das und dadurch befruchtete Naziumtriebe im Lande kaum thematisieren, die FPÖ weiter als normale demokratische Partei behandeln, sind Teil des Problems.

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