Wieso Parapsychologen auf Enten starren
Glosse von Max Sternbauer
Der Begriff Parapsychologie soll von einem Vortrag des Berliner Philosophen und Psychologen Max Dessoir stammen, dessen Intention es gewesen war, außergewöhnlichen Phänomenen der Kulturgeschichte eine Bezeichnung zu geben.
Unter dem Begriff selbst versteht man Versuche, mit wissenschaftlichen Methoden „übersinnlichen“ Ereignissen auf die Spur zu kommen; oder, um in der Sprache dieser Disziplin zu bleiben, man versucht, ASWs zu erforschen (Außersinnliche Wahrnehmungen). Themen der Parapsychologie sind: Präkognition (Hellsehen), Telekinese, Telepathie und der Kontakt mit Verstorbenen.
Das wahrlich Spannende an der Parapsychologie ist, dass sie, ungewollt, den Finger in eine bestimmte Wunde steckt: Was versteht man unter korrektem wissenschaftlichem Arbeiten? Wenn man so will, kann man auch eine Analyse der Methodik an sich herauslesen.
Denn die Geschichte der Wissenschaft ist auch eine Geschichte der wissenschaftlichen Methode. So mag überraschen, dass der Universalgelehrte Leibniz große Kritik an der Gravitationstheorie Newtons hatte. Für Leibniz musste jede physikalische Wirkung auf einen Körper durch Berührung, durch einen Stoß mit einem anderen Körper geschehen. Eine unsichtbare Kraft, die dafür sorgte, dass Planeten sich drehten, unterstellte er eine „okkulte Qualität“.
Der Philosoph Arthur Schopenhauer hatte eine Neigung zu spiritistischen Erscheinungen: Hellsehen, Tischerücken, Geisterklopfen usw. In einem Brief zeigt sich seine Begeisterung besonders gut:
„Wenn es Ihnen ernst damit ist, in Ihren Artikeln auf meine Philosophie zurückzukommen, wie Sie ja vermelden, nun, so ist jetzt eben eine Gelegenheit ohnegleichen; nämlich das Tischerücken, an welchem meine Philosophie einen wahren Triumph erleben wird.“
Worauf Karl Marx den bekannten Spruch anbrachte:
„Man erinnere sich, dass China und die Tische zu tanzen anfingen, als alle übrige Welt stille zu stehen schien.“
Was diese Beispiele aussagen sollen, ist: Der Krieg darum, wer ein okkulter Spinner ist, dauert schon sehr lange; man könnte auch sagen, dieser Krieg ist Teil der Wissenschaft.
Parapsychologie scheitert schon sehr oft an folgender Aufgabenstellung: Wie beweise ich das? Wie soll ein Feldversuch aussehen, der die Wirkung von Hellsehen beweisen soll? Diese an sich schwierige Fragestellung wird noch komplizierter, wenn man parapsychologische Phänomene bei Tieren erforschen will. Peter Schwertners Buch „PSI in der Tierwelt“, erschienen in den Achtzigern, versuchte, übernatürliche Fähigkeiten bei Tieren zu beschreiben. Die Betonung liegt hier bei dem Wort Versuch, denn in der Tat gibt es in dem Buch eine Menge Beispiele, und auch „Versuche“, diese mit einem wissenschaftlichen Vokabular zu versehen. Aber man kommt nicht zum Punkt; auf keiner Seite wird verdeutlicht, wieso Parapsychologie überhaupt funktionieren soll.
Eine groteske Geschichte in dem Buch ist die des Freiburger Erpels. In der deutschen Stadt existiert eine Statue, die an eine Ente erinnert, die in der Nacht des 27.11.1944 während eines Bombenangriffs ganz viel Krach gemacht und so viele Menschen gerettet haben soll. In der Tat war dieser Angriff der schwerste, den die Briten im Krieg jemals gegen Freiburg im Breisgau geflogen haben. Während dieses Angriffs soll auch die Ente umgekommen sein. Das wäre auch eine spannende Geschichte gewesen, wie man das herausgefunden hat.
Bisher:
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Titelbild: Séance im Salon: Das Ektoplasma hat Federn. (Unsere Zeitung / KI-generiert)

