AktuellEuropaKultur

UmagoBlues 2015: THEY SOLD THEIR SOULS TO THE DEVIL

Laurence Jones: The devil’s babyface

UmagoBlues77Für jene die in der Bluesszene kaum bewandert sind, und hierzu kann man wohl den Großteil des Publikums zählen, scheint es angesichts dieses jungen Mannes der nun die Bühne betritt ausgemachte Sache zu sein, dass die letzte Nacht der UmagoBlues-Tage so beschaulich weitergehen wird, wie sie begonnen hat. Wie man sich nur täuschen kann. Einen Anheizer hatte Laurence Jones wahrlich nicht nötig. Kaum dass er in die Saiten greift, tanzen seine Finger wie Derwische über das Griffbrett und man glaubt den Ohren nicht zu trauen. Denn was da mit einer Naturgewalt über das Publikum niedergeht, scheint eher der über Jahrzehnte mühsam erlangten Meisterschaft eines alten Bluesrock-Haudegens angemessen, denn diesem erst 23-jährigen jungen Mann. Noch während des Auftritts von Bayou Side saß Laurence von Autogramjägern völlig unbehelligt in einem der Cafés am Rande des Hauptplatzes – von denen aus man übrigens das Geschehen auf der Bühne bestens mitverfolgen konnte. Und erst als er die Bühne betrat konnte man einen deutschen Touristen mit dem erstaunten Ausruf hören: „Hey, der Knabe saß doch noch gerade neben uns, was will der auf der Bühne?“

Mit acht Jahren begann Laurence klassische Gitarre und stieg mit 14 auf die E-Gitarre um. Als seine Vorbilder gibt er auf seiner Web-Seite Walter Trout, Eric Clapton, Gary Moore, Rory Gallagher und Albert Collins an und lässt einen ungenannt, der für einen Gitarristen seiner Klasse so selbstverständlich ist, wie für jene Zuhörer, die Laurence‘ Version von „All along the Watchtower“ wiedererkennen. Niemand geringerer als Jimmy Hendrix dem er in dieser Form seine Referenz erweist. Keine Kopie sondern eine Ehrenbezeugung, die den individuellen Stil Laurence Jones‘ voll zur Geltung kommen lässt und ganz in den Gepflogenheiten Hendrix‘, dem es selbst nie gelingen wollte – die Betonung liegt auf Wollen als Ausdruck selbstbestimmten Erreichen eines Ziels – seine eigenen Nummern auf der Bühne auf immer gleiche Weise zu reproduzieren.

Die meisten Songs aber, die Laurence spielt, stammen aus der eigenen Feder und auch darin beweist er absolute Professionalität. Seine Plattenfirma bezeichnet Jones als einen erwachsenen, vernünftigen Menschen, der klare künstlerische Vorstellungen hat und vielleicht ist es gerade diese frühe Abgeklärtheit, die jene Abgefeimtheit, jene Abgebrühtheit, die gerade im Blues so sehr zur Authentizität beiträgt, noch ein wenig vermissen lässt. Aber die gleichen seine beiden Bühnenkollegen aus. Mit Miri Miettinen sorgt am Schlagzeug ein alter Profi, der im Geschäft auch als Komponist, Tontechniker und Produzent schon genügend Routine gesammelt hat, für jene geradlinige Unterlage auf der sich Laurence‘ Improvisationen so richtig entfalten können. Und mit Roger Inniss ein Mann am Bass, der für einen solch jungen Mann einen wahren Glücksgriff darstellt.

Roger spielte schon in vielen Bands des Jazz, Blues, Soul, Rock und Pop mit, die alle anzuführen den Rahmen sprengen würde. Von Sara Colman über Snowy White von Thin Lizzy und Pink Floyd bis hin zu Chaka Khan, The Platters, Kid Creole und Errol Brown von den Hot Chocolates reicht die Bandbreite. Und wenn man beobachtet, wie er seinen Schützling Laurence ansieht, kommt man nicht umhin in ihm dessen Ersatzvater während des Tourlebens zu sehen, auch wenn Laurence Jones der offizielle Bandleader ist. Und wenn der Teufel nicht auch in dieser letzten Nacht wieder höchstpersönlich in veränderter Gestalt seine Aufwartung gemacht hatte, sondern vielleicht doch nur dessen Lehrling gesandt worden war, so machte auch dieser sich das Publikum hörig und eroberte die Seelen im Sturm seiner Gitarre.

Wrong Business: Undankbarer Job

UmagoBlues93Zwangsläufig ist es ein undankbarer Job nach solch einer Naturgewalt die Bühne zum Ausklang betreten zu müssen und obwohl Wrong Business einen soliden Blues spielen, der keinen Vergleich mit all den anderen Bands – sieht man von den Headlinern Ian Siegal, The Gamblers und Laurence Jones ab – zu scheuen bräuchte, räumte das Publikum noch während des Auftritts langsam das Feld und genoss die über die Wellen des Meeres noch weit getragenen Klänge auf dem Heimweg.

UmagoBlues95Mit der Gewissheit nächstes Jahr wieder kommen zu wollen, erstehen noch viele ein UmagoBlues T-Shirt um dann der auf der Vorderseite aufgedruckten Abänderung des Festivalmottos auf „The devil owns our souls“ zuzustimmen. Womit wir noch einmal auf die eingangs erwähnte Frage bezüglich der mangelnden Ankündigung des Festivals zurückkommen. Wenn es das beabsichtigte Ziel der Veranstalter war, neue Jünger des Genres hinzuzugewinnen, dann wurde dieses erreicht und man kann den Organisatoren nur gratulieren und wenn dieses Festival mit dieser tollen Atmosphäre, großartigen Künstlern und friedlichen Zusammenseins so vieler Nationen sowohl auf der Bühne als auch unter dem Publikum ein Vorgeschmack auf die Hölle gewesen sein soll, ja, dann kann man sich nur eines wünschen: Die Hölle auf Erden!

UmagoBlues96

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.