UmagoBlues 2015: THEY SOLD THEIR SOULS TO THE DEVIL

Good Morning Blues

Wer sich vormittags auf den Weg in die Altstadt macht, um dem angekündigten Blues-Frühschoppen zu lauschen findet eine noch nahezu seelenlose Uferpromenade vor. Selbst die allen möglichen Ramsch verhökernden Souvenirstände sind noch dicht geschlossen und nur ein paar Fischer sind bei der Nachbereitung ihrer am frühen Morgen erfolgten Ausfahrt zu beobachten.

Auch am Hauptplatz hält sich der Betrieb noch in Grenzen. Selbst dort, wo der Good Morning Blues stattfinden soll, beim Cafe Gala, sind kurz vor angekündigtem Beginn noch genügend freie Tische vorhanden und sogar die kühlenden und schattenspendenden Mauern der Kirche werden erst von wenigen vermeintlichen Engeln in frommer Erwartung der Messe in Anspruch genommen.

Easy Yugo-Blues

UmagoBlues54Was Nationalismus, die EU und NATO sowie die Kirche zu trennen vermochten, vermag nur der Mensch, nicht zuletzt auch mittels Kultur und im speziellen des Blues, wieder zusammenzubringen. Was ist hierfür wohl besser geeignet als jene Musikform, die sich selbst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts aus der unterdrückten afroamerikanischen Gesellschaft entwickelt hat und mittlerweile zu einem kulturellen Allgemeingut geworden ist und deren Spuren, wenn auch immer weniger deutlich, in beinah jedem internationalen Hit aufzuspüren sind.

UmagoBlues55Krieg, Staatsauflösung, Staatenneubildung sowie daraus aufkeimender Nationalismus und Hass können den in München geborenen Serben Marko Jovanovic und den Kroaten Jimmy Matesic nicht davon abhalten gemeinsam dieses Kulturgut in bester Freundschaft ungeachtet ihrer Herkunft zu pflegen. Der international renommierte „Harp-Professor“ Jovanovic, der nicht nur weltweit auf Festivals auftritt sondern zugleich auch unermüdlich in Workshops den professionellen Einstieg in die Welt der Mundharmonika lehrt sowie der in ganz Ex-Jugoslawien als einer der besten Blues-Gitarristen bekannte Eduard Jimmy Matesic, bieten einen der morgendlichen Stimmung angepassten akustischen Slow-Blues der die Lebensgeister der Anwesenden sanft in den Tag gleiten lässt. So manchem der gestrigen Besucher mag die lange Nacht noch in den Knochen oder im Kopf liegen. Nur so lässt sich der spärliche Besuch bei der vormittäglichen Darbietung erklären, wodurch sich aber die Spielfreude dieser beiden Künstler in keiner Weise beeinträchtigen ließ.

Lazy sunny Afternoon

Am Nachmittag bietet sich ein entspannter Spaziergang an der Uferpromenade entlang der nunmehr geöffneten Ramschläden oder aber, was angesichts der bevorstehenden langen Nacht empfehlenswerter erscheint, ein erfrischendes Bad und ein Nickerchen am auch mit ausreichend Schattenplätzen ausgestatteten Strand.

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