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Politische Volks- und Arbeiterlieder: Philipp Hoffmann im Soundcheck

Zum Abschluss des Festival des politischen Liedes steht Philipp Hoffmann am Sonntag um 10.30 Uhr auf der Bühne. Vorher ist der Musiker aus Kassel bei uns im Soundcheck: mit politischen Volks- und Arbeiterliedern, viel Straßenerfahrung und dem Brecht/Eisler-Klassiker „Am Grunde der Moldau“.

Philipp Hoffmann

Du kommst aus:
Kassel – Germany – BRD

Wann und warum hast du angefangen, Musik zu machen?
Mit fünf Jahren begann ich, Trompete zu spielen und mich für internationale Arbeiterlieder und politische Lieder zu interessieren. Mit 13 Jahren habe ich begonnen, Gesangsunterricht zu nehmen; mein Vorbild war der Arbeitersänger Ernst Busch. Damals habe ich auch das Arbeiter-Musikarchiv Kassel gegründet, in dem ich über 15.000 Tonträger und Liederbücher mit politischen Liedern gesammelt habe.

Wegen meiner Sehbehinderung beziehungsweise Erblindung wurde es mir in Deutschland unmöglich gemacht, eine Arbeit zu finden. Nach drei anderen Ausbildungen – Zimmermann, Kaufmann, Physio – habe ich eine klassische staatliche Gesangsausbildung in Bayern absolviert. Dann habe ich mir das Spielen mit der Mundharmonika selbst beigebracht. Die Mundharmonika führte mich zur diatonischen Harmonika, also zur Handharmonika bzw. zum Knopfakkordeon. Bis 2019 habe ich sehr viel Straßenmusik gemacht. Seit der „Corona-Zeit“ 2020 lerne ich chromatisches C-Griff-Knopfakkordeon, weil man damit die Werke von Hanns Eisler, Partisanenlieder oder auch jiddische Lieder besser begleiten kann.

Ich spiele folgende Musikinstrumente: Trompete, Harmonika, Knopfakkordeon, Mundharmonika, Gesang und andere Blechblasinstrumente. Musikalisch habe ich mich bisher in verschiedenen Stilen bewegt: Volkslieder, Arbeiterlieder, klassische Musik, Jazz und Improvisationsmusik.

Im Plattenladen bzw. in welcher Playlist-Ecke findet man dich:
Auf meinem YouTube-Kanal.

Musik machen ist wie …
Fliegen oder schwimmen.

Philipp Hoffmann mit Akkordeon gegen NATO und Krieg (Foto: Philipp Hoffmann)

Wenn du mit deiner Musik etwas verändern könntest: Was wäre das?
Meine Lieder sollen zum Denken anregen, aber auch zum Mitsingen. Sie sollen den Menschen Mut und Freude machen – im Kampf um Frieden und Menschenrechte. Auf einer Demonstration oder bei einem Streik entsteht im besten Fall ein Gefühl der Solidarität.

Bester Moment deiner musikalischen Zeit bis jetzt:
Es war ungefähr 2015, als ich in Bad Hersfeld Straßenmusik machte. Ich stand auf dem Marktplatz, sang Volkslieder und begleitete mich auf der diatonischen Harmonika, als ich plötzlich von Weitem Pfiffe, Streikrufe und viele marschierende Menschen hörte. Ich reagierte sofort und fing an, das „Streiklied“ zu spielen. Als ich bei der Stelle war, an der es heißt: „Mensch der Arbeit, aufgewacht, und erkenne deine Macht / Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“, standen plötzlich etwa 350 Kolleginnen und Kollegen der Firma Amazon um mich herum, die gerade für mehr Lohn beziehungsweise für einen Tarifvertrag streikten, und sangen mit mir gemeinsam.

Anschließend sangen wir noch einige Lieder zusammen, und viele der Streikenden gaben mir ein paar Münzen. Ich packte mein Zeug zusammen und zog mit den Arbeiterinnen und Arbeitern vor das Werksgelände von Amazon Bad Hersfeld. An diesem Tag lernte ich auch den Betriebsrat und Dichter Christian Krähling kennen – einen kleinen, etwas gedrungenen Mann, der viel Solidarität in sich trug und ein fast übermenschliches Geschick hatte, seine Kolleginnen und Kollegen verschiedener Amazon-Werke in Europa zu vereinen, sodass sie europaweit gewerkschaftlich agieren konnten.

Christian war aber auch Schriftsteller und verfasste Gedichte und Lieder, unter anderem für den Streik. Gemeinsam mit dem Liedermacher Ernsto Schwarz aus Frankfurt haben wir einige seiner Lieder mit Menschen aus dem Betrieb vertont. Unser Kollege ist leider 2021 unter ungeklärten Umständen gestorben. Wir vermissen ihn sehr; er war ein freundlicher Mensch, der Menschen zusammenbringen konnte.

Da willst du unbedingt mal spielen (und warum?):
Auf dem Festival der Humanité in Frankreich, also einem Pressefest, oder auch bei der Volksstimme in Österreich. Allerdings würde ich auch gern mal wieder auf einem Fest spielen, bei dem ich mich nur Volksliedern widmen kann – denn nur politische Lieder sind auf Dauer auch zu wenig.

Was sollten Menschen wissen, die dich noch nicht kennen?
Ich mache immer noch Fehler – daran erkennt man, dass ich ein Mensch bin und keine KI.

Was gibt es zu dem ausgewählten Song zu sagen?
„Das Lied von der Moldau“ beziehungsweise „Am Grunde der Moldau“ von Bertolt Brecht und Hanns Eisler wurde 1944 geschrieben und gilt für mich als mutmachendes Friedenslied. Das Ende des Zweiten Weltkriegs war damals noch nicht greifbar, und die Lage für die Menschen war katastrophal. Heute sieht es wieder schlimm aus: Überall wachsen die Waffenarsenale, während gleichzeitig unsere Sozialsysteme abgerüstet und kaputtgespart werden. Im Lied heißt es: „Und gehen sie einher auch wie blutige Hähne, es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.“ Darin liegt für mich der Funke Hoffnung auf einen Morgen ohne Krieg.

Zum YouTube-Video von Philipp Hoffmann: „Am Grunde der Moldau“ von Bertolt Brecht und Hanns Eisler

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Titelbild: Philipp Hoffmann

Unsere Zeitung sucht Bands und Musiker:innen, die sich im Rahmen unserer Rubrik „Soundcheck“ der Öffentlichkeit präsentieren wollen. Bei Interesse freuen wir uns über ein E-Mail an soundcheck@unsere-zeitung.at – mehr Infos auf „Wir starten den „Soundcheck“ neu!“.

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