DAZIBAO XI: Ein antifaschistischer Spaziergang

alerta-orange Linksextremismus und Rechtsextremismus werden gerne in einen Topf geschüttet, um eine Suppe gleicher Analyse daraus zu kochen. Das wird vor allem gerne von etablierten Lagern als Argument verwendet. Schlägt das Pendel aus der politischen Mitte der Vernunft an die extremen Rändern der unreflektierten politischen Theorien, sei das schadhaft.

Laut einem gewichtigen Teil der öffentlichen Meinung sind alle Extremisten gleich Fundamentalisten, das bedeutet gewalttätig. Wenn alle aufhören würden Gewalt zu predigen, dann könnten wir uns alle vor das gesellschaftliche Lagerfeuer setzen, die Gitarre stimmen und alte, aber gute Sachen von Reinhard Mey singen.

Ein deutscher Kabarettist sagte einmal: „Linksextremisten zünden dein Auto an, Rechtsextremisten Ausländer. Wobei ersteres schlimmer ist, weil es könnte ja mein Auto sein.“
Nazis die Hand zu reichen, widerstrebt mir. Vor allem mache ich mir nicht gerne einen gemütlichen Abend mit Menschen, die Behinderte vergasen oder den Staat Israel von der Landkarte wegbomben wollen. Da bin ich eigen.
Auch die „Ich bin zwar kein Rassist aber“-Fraktion trifft nicht meinen Geschmack. Aber wenn die halbe Verwandtschaft, die sich um den Weihnachtsbaum versammelt hat aus diesem Typ Mensch besteht, kann ich verstehen, warum man lieber Lebkuchen futtert, anstatt das Antifa-Accessoire auspackt, neben Anti-Hakenkreuzbutton, Trillerpfeife und Protestschild.

Gewalt ist niemals eine wirklich dauerhafte Lösung. Viel zu viele Verbrechen wurden im Namen der guten Tat getan. Auch in der Politik ist der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert. Weswegen auch Menschen, die an und für sich eine gute Sache vertreten und ein ehrliches Engagement zeigen, manchmal etwas über das Ziel hinausschießen können.

Ich hörte mal eine Geschichte von einer Antifa-Gruppe, die sich von anderen Gruppen unterschied. Sie bezeichnete sich nämlich als marxistische Antifa. Weil die meisten Leser jetzt nicht wissen, was ich meine, sage ich nur kurz, dass die meisten Antifa-Organisationen sich eher aus dem anarchistischen und oder autonomen Spektrum rekrutieren. Aber alle verstehen sich als antifaschistisch. Bitte nicht zu verwechseln, auch wenn die politischen Standpunkte oftmals identisch sind. Obwohl auch so eine alte „Zecke“ wie ich, die seit Jahren im linksextremistischen Sumpf herumschwirrt, diese Unterschiede nicht versteht.

Aus Datenschutzgründen verändere ich Namen und Ort. Es ist zwar alles wahr, aber ich verschiebe die Geschehnisse hinter einen Nebel der Anonymität. In einem gar nicht so weit entfernten Stadtteil lag ein Parteilokal, wo eine marxistische Antifa-Organisation gegründet wurde. Nicht unweit davon befand sich ein rechtes Beisl, das sich als Bühne zur Erprobung anbot.

Bitte sich diese Passage gut zu merken. Wer diesen Text digital konsumiert, kann im Kopf, ähnlich wie Copy and Paste, diese Passage an einer späteren, aber passenden Stelle hinzufügen. Bei diesem Treffen waren viele Pläne ausgearbeitet worden. Linke sind bei solchen Sachen immer recht kreativ. Verschiedene Sorten Gemüse sollten zu Wurfprojektilen umfunktioniert werden. Ein örtlicher Lebensmittelhändler wurde gebeten, das Zeug verfaulen zu lassen. Verschiedene Sprechchöre wurden extra für diese Gelegenheit ausgedacht. Auch über die Sicherheit machte man sich Gedanken, zum Beispiel über etwaige Nazi-Attacken. Was dazu führte, dass Mitglieder der Antifa an dem Abend mit diversen Brechstangen auf der Demo auftauchen sollten. Alles war dann bei diesem Treffen besprochen worden und man machte sich anschließend, jeder für sich, bereit für die Schlacht.
An dem betreffenden Abend trafen sie sich vor dem Parteilokal, dessen Identität im Dunklen bleiben soll. Ein paar von ihnen gingen als Kundschafter voraus. Einige waren vermummt, um nicht erkannt zu werden. Es entstanden im Laufe der Demo zwei Gruppen. Die erste ging schon fast
gemächlich die Straße hinunter. Die zweite Truppe, die Kundschaftertruppe, schwirrte um die erste herum wie Satelliten auf Ecstasy. An Straßenecken wurde angehalten und die Gassen ausgespäht, ob auch ja keine Autos der Polizei auftauchten. Mein Freund, der während  der ganzen Aktion in aller Ruhe mit seiner Freundin telefonierte, und der Demo mehr hinterher trottete, bemerkte einen Opel/VW, der es immer wieder verstand, schnell hinter einem Haus zu verschwinden. So ging die Demo ihren Weg, bis ein Stück Berg abwärts das rechte Lokal auf dem Radar erschien.
Nun stand die Gruppe ein paar Sekunden etwas unschlüssig in der Gasse herum. Auf der anderen  Seite leuchteten die Buchstaben des Lokalnamens über der Tür in den anbrechenden Abend.      Bitte hier ist auch die Stelle, wo Sie das Gemerkte hinzufügen sollen. Es hatte so etwas wie eine Planung gegeben. Aber wie sagte General Patton so schön, jeder Schlachtplan verliert seine Gültigkeit, wenn der erste Schuss fällt. Jemand fragte die situationsbedingte Frage, was denn jetzt  zu tun sei. Die Konfusion dauerte zwar nicht lange, aber sie war da. Ein Genosse schlug vor, na rufen wir doch „Alerta Antifaschista!“.

Mein Bekannter kam in die Gasse geschlendert und sah die kleine Gruppe, wie sie gerade die Fäuste erheben wollte. Da schoss der Opel/VW aus der Dunkelheit und blockierte die Gasse hinter dem Rücken meines Freundes. Zwei Männer katapultierten sich aus dem Auto und riefen mit dem Stakkato eines Maschinengewehres gleich, „StehengebliebenPolizeiAusweiseher“, oder so etwas. Instinktiv spontan, wendete mein Freund seinen Kurs und ging den Weg noch gemütlicher zurück woher er gekommen war. Die Beamten schossen nur Zentimeter an ihm vorbei. Er ging zurück ins  Parteilokal, wo nach und nach die anderen eintrafen.

Eine Frage bleibt noch. Woher wussten die Cops von dieser Furzdemo mitten im Irgendwo von  Nirgendwo?

DAZIBAO – „Satirische Propaganda“ von Max Sternbauer:

Bilder: mainz.vvn-bda.de

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Ein Gedanke zu „DAZIBAO XI: Ein antifaschistischer Spaziergang

  • 3. Februar 2016 um 10:21
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    Die Frage, woher wussten die Kiberer von dieser Aktion? In Wien natürlich vom Hausmasta.

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