EM 2016-Teamcheck: Österreich

UEFA_Euro_2016Sie kennen ja bereits unser Teamcheck-Format zur EM 2016. Erst wird das Team, dann der Star und dann der Trainer unter die Lupe genommen, zum Schluss gibt es noch ein kurzes Fazit, um das Ganze kurz zusammenzufassen. So ähnlich wird es auch bei diesem 24. und letzten Teamcheck ablaufen. Mit einer kleinen Änderung: Die Rubriken „Team“ und „Trainer“ werden zusammengelegt. Denn wenn man vom österreichischen Nationalteam spricht, fällt unweigerlich auch der Name Marcel Koller. Und wohl bei keinem anderen Team wird der Erfolg einer Mannschaft so untrennbar mit dem Trainer verbunden wie bei Österreich.

Teil 24: Österreich (Gruppe F)

Team & Trainer
EM_checkAUTEs ist noch keine zehn Jahre her, da war Österreichs Fußballnationalmannschaft nicht mehr als ein Strich in der Landschaft des Weltfußballs. Europameisterschaften waren in weiter Ferne, von Weltmeisterschaften ganz zu schweigen. Es herrschte nicht nur ununterbrochen Unruhe in der Mannschaft, die Trainer wechselten auch Nationalspieler und Kapitäne wie Chamäleons ihre Farbe, selten standen in mehreren Spielen hintereinander dieselben elf Mann auf dem Platz. Auch die Taktik variierte von Spiel zu Spiel, es fehlten Konstanz, die richtigen Ergebnisse und, vor allem, die Freude am Spiel. Das alles änderte sich unter Marcel Koller. Als der 54-jährige Schweizer 2011 sein Amt als Nachfolger des gescheiterten Didi Constantini antrat, hagelte es allerdings, wie in Österreich üblich, von allen Seiten Kritik. „Experten“ wie Herbert Prohaska („Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht“) Toni Polster („Ich glaube nicht, dass das eine glückliche Entscheidung war“) oder Hans Krankl („Was macht ihn qualifizierter als die österreichischen Trainer?“) konnten der Entscheidung des ÖFBs nicht viel abgewinnen, auch die Medien waren skeptisch. Doch sie alle irrten sich. Denn Marcel Koller hat es geschafft, aus einem wirr zusammengewürfelten Haufen an Spielern ein Team, eine Einheit zu formen. Seit knapp fünf Jahren hält Koller an der (mehr oder weniger) gleichen Mannschaft fest, er nominiert auch Spieler, die bei ihren Klubs auf dem Abstellgleis stehen oder außer Form sind, und diese zahlen ihm dieses Vertrauen mit starken Leistungen in der Nationalmannschaft zurück. Und dass sich dieses Risiko, das Koller mit einigen Entscheidungen doch eingegangen ist, bezahlt gemacht hat, zeigt sich nicht zuletzt an der erfolgreichen Qualifikation für das Turnier in Frankreich. Es scheint, als wäre Marcel Koller tatsächlich ein solcher „Wunderwuzzi“, wie ihn Österreich lange gesucht hat.

Der Star
David Alaba. Aus dieser eingeschweißten Truppe einen Star herauszupicken, wäre wohl nicht Marcel Kollers Art. Doch David Alaba sticht doch aus diesem Kollektiv heraus. Bereits im zarten Alter von 16 Jahren wagte der Wiener den Sprung ins Ausland und wechselte von der Akademie des FK Austria Wien in die Jugend des FC Bayern München. Schon bald wurde klar, dass der Österreicher mit nigerianischen und philippinischen Wurzeln zu Höherem berufen war. Nachdem sich Alaba über die U19 und die zweite Mannschaft zu den Profis hochgekämpft hatte, folgte im Jänner 2011 eine Leihe zur TSG Hoffenheim. Dort spielte er groß auf, was zur Folge hatte, dass ihn der damalige Bayern-Coach Jupp Heynckes bereits nach einem halben Jahr wieder zurück nach München holte. Jupp Heynckes war es auch, der Alaba zum Linksverteidiger umfunktionierte. Auf dieser Position zählt der 23-jährige heute zu den Besten der Welt, auch wenn er selbst lieber im Mittelfeld spielen würde. („Ich sehe mich in der Zukunft im Mittelfeld, das ist kein Geheimnis.“)
Dass Österreichs fünffacher Fußballer des Jahres das auch kann, stellte er vor allem im Nationalteam schon des Öfteren unter Beweis. In der Koller-Elf fungiert Alaba als Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld, zieht die Fäden im Spiel der Österreicher und bildet gemeinsam mit Neo-Leverkusen-Fighter Julian Baumgartlinger eines der besten „Sechser-Duos“, das das kleine Land in Mitteleuropa je gesehen hat. Ja, David Alaba ist aus dem österreichischen Nationalteam nicht mehr wegzudenken. Er ist mittlerweile zu der Identifikationsfigur des heimischen Fußballs schlechthin geworden, mit seiner humorvollen Art hat er die Herzen der Fans auch über die Grenzen Österreichs hinaus gewonnen. „Ich bin ein echter Wiener“, sagte Alaba einst. Und ganz Fußball-Österreich freut sich darüber.
Übrigens: Mit einem Marktwert von 45 Millionen Euro stellt Alaba sowohl den gesamten Kader von Ungarn als auch den der Isländer in den Schatten. Somit sollte der Einzug ins Achtelfinale doch eigentlich schon fixiert sein, oder?

Fazit
Die Euphorie im Land ist groß. Bei den Fans, bei den Spielern, bei den Funktionären, bei den Medien. Lange nicht mehr sah man einem internationalen Turnier mit österreichischer Beteiligung mit so viel Vorfreude und Optimismus entgegen. Aber auch die Erwartungshaltung vieler Fans ist durch die so erfolgreiche Qualifikation gestiegen, sogar vom Finale wird gesprochen, Vergleiche mit Griechenland 2004 kommen auf. Und auch, wenn ein Erreichen des Finales doch einem kleinen Wunder gleichkäme, muss sich das ÖFB-Team keinesfalls verstecken. Das Selbstvertrauen ist riesig und die Spieler brennen förmlich auf die Duelle mit Europas Fußballelite. Die Gruppenphase zu überstehen sollte für dieses Team auf jeden Fall machbar sein, auch ein Vordringen ins Achtel- oder Viertelfinale ist nicht unwahrscheinlich. Und zum Abschluss dieser EM-Serie kann es nur noch heißen: FRANKREICH, WIR KOMMEN!

Unsere Zeitung-Tipp: Viertelfinale

EM_check_alleGruppe A:

Gruppe B:

Gruppe C:

Gruppe D:

Gruppe E:

Gruppe F:

Autor: Moritz Ettlinger
Grafik: Unsere Zeitung (Marc Zosel/Michael Wögerer); Logo created with Inkscape (public domain)

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3 Gedanken zu „EM 2016-Teamcheck: Österreich

  • 8. Juni 2016 um 14:21
    Permalink

    Blöde Frage. Kann es sein, dass die Tips nicht ganz stringent sind? :-)
    Guppe C:
    Deutschland Finale
    Ukraine Gruppenphase
    Polen Achtelfinale
    Nordirland Gruppenphase

    Dass zwei in der Gruppenphase bleiben geht doch nicht, oder?

    Gruppe E detto:
    Belgien Finale
    Italien Viertelfinale
    Irland Gruppenphase
    Schweden Gruppenphase

    Antwort
    • 8. Juni 2016 um 14:34
      Permalink

      Es steigen lediglich die Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie die vier besten Dritten in die Runde der besten 16 (Achtelfinale) auf. Alle anderen scheiden somit in der Gruppenphase aus. Überall wo der UZ-Tipp: „Gruppenphase“ lautet, gehen wir davon aus, dass es die Teams nicht weiter schaffen.

      Antwort
      • 8. Juni 2016 um 14:45
        Permalink

        Oh. Danke für die Erklärung!

        Antwort

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