„Erdmännchen Gustav. Kunstraub im Museum“ – Kindergartengeprüft

Eine lustige und spannende Detektivgeschichte für Kinder – Sonntag ist Büchertag

von Hannah Wahl

Bei den Erdmännchen im Zoo ist Hektik ausgebrochen: Der Fuchs sitzt vor dem Bau! Vorsichtig traut sich der mutige Gustav nach draußen und erfährt, dass ein Gemälde aus dem nahe gelegenen Museum entwendet wurde. Der Fuchs, nach eigenen Aussagen der beste Detektiv der Stadt, will den Täter überführen und die auf das Geld ausgesetzte Belohnung abstauben.

Um dem Dieb auf die Spur zu kommen, vergleicht der Fuchs das Foto vom Pfotenabdruck am Tatort mit dem von Gustav: Gut, die Erdmännchen sind jedenfalls außer Verdacht. Doch der Fuchs kommt einfach nicht darauf, welches Tier das Bild gestohlen hat. Gustav, der die Spur sofort einem Känguru zuordnen kann, hat Mitleid mit dem Känguru und will nicht, dass es verhaftet wird. Zusammen mit seinen Erdmännchen-Freunden Pauline und Rocky lockt er den Detektiv auf eine falsche Fährte: zuerst zum Tiger, dann zum Pinselohrschwein. Obwohl sie den Känguruabdruck erkennen, halten alle dicht.

Plötzlich will der Fuchs noch zu den Kängurus schauen, er hat da so ein Gefühl. Auweia, die Pfote von Polly passt exakt! Die Durchsuchung des Kängurubeutels bleibt trotzdem ohne Erfolg. Gustav reagiert sofort und gibt zu bedenken, dass es genauso gut ein anderes Känguru mit ähnlichen Abdrücken gewesen sein könnte. Vielleicht ist das Känguru nach Australien geflüchtet? Handelt es sich um eine internationale australische Kunsträuberbande? Der Fuchs scheint Gustav erneut auf den Leim gegangen zu sein. Als dieser das Zoogelände verlassen hat, gesteht Polly verlegen den Diebstahl. Sie hat das Gemälde ihrem Freund, dem Kunstliebhaber Max, zum Geburtstag geschenkt. Damit Polly nicht ins Gefängnis muss, halten alle zusammen und bringen das Gemälde zurück ins Museum. Außerdem sind die Bilder dort für alle da! Gerade als die Tiere das Bild zurückhängen wollen, geht plötzlich das Licht an und der schlaue Fuchs tritt grinsend heran: „Hehehe, ihr habt doch nicht geglaubt, dass ihr mich hinters Licht führen könnt?“

Doch auch Gustav ist schlau und bemerkt, dass die fünf Freunde aus dem Zoo gemeinsam doch viel stärker sind als der Fuchs!

Der Fuchs versteht die Lage und erklärt sich damit einverstanden, Polly nicht auszuliefern – schließlich ist ja wieder alles in Ordnung. Das gemeinsame Abenteuer hat alle zusammengeschweißt, auch der Fuchs gehört jetzt dazu. Und neue Freundschaften sind sowieso viel wichtiger als irgendwelche Belohnungen.

Vor dem Lesen sind alle gespannt und warten bis es endlich losgeht. Die Kinder wissen genau: Kunstraub – da geht’s um Diebstahl und vermutlich auch um Detektive!

Bereits bei Betrachtung des Buchcovers sind sich die Kinder sicher: Der Fuchs muss der Böse sein. Auch als sich der Fuchs als Detektiv zu erkennen gibt, der den Fall aufdecken und die Belohnung abstauben will, bleiben die Kinder überzeugt: „Der Fuchs tut nur so als wär er ein Detektiv!“ und „Die Belohnung ist sicher ein paar Erdmännchen zum Verspeisen für den Fuchs!“ Die Kinder sind so fixiert auf den Fuchs als Bösewicht, dass auch der Pfotenabdruck vom Tatort sofort ihm zugeordnet wird: „Der Fuchs gehört zu den Katzenarten und die Pfote ist eindeutig eine Katzenpfote – das sieht man doch.“ Das Vertrauen in Gustavs Kenntnisse im Spurenlesen ist jedenfalls stark begrenzt: „Das ist sicher kein Känguru! Eher eine Katzenart.“ Außerdem ist der Fuchs auch ziemlich frech und guckt Polly dem Känguru einfach in ihrem Beutel. Kritisch sehen die Kinder auch Gustavs Einwurf, es könnte sich um eine australische Kängurubande gehandelt haben. Wie sollen die Kängurus unbeobachtet nach Australien fliehen? Im Flugzeug fallen die auf und schwimmen können sie auch nicht! Die Diskussion um die Täterschaft zieht sich bis zum Geständnis von Polly durch. Und endlich, als Fuchs Polly verhaften will, obwohl sie das Gemälde zurückgebracht hat, sind alle erleichtert – die Kinder hatten recht, oder? Ist der Fuchs doch ein Bösewicht? Jedenfalls können wir ihm nicht lange böse sein und als der Fuchs am Ende sein „cooles“ Fuchsifon (neustes Modell) herausholt und ein Selfie von der ganzen Truppe macht, wird er gleich viel sympathischer.

Die Geschichte brilliert vor allem durch die witzigen Aussagen der Tiere, die, gut vorgelesen, für eine Menge Spaß sorgen. Besonders witzig finden alle Pinsel, das Pinselohrschwein. Allein das Wort „Pinselohrschwein“ klingt so lustig, dass ein paar Kinder voller Freude mit ihren Fäusten auf den Boden klopfen. Auch die Spannung bleibt für die Kindergartenkinder bis zum Schluss, da alle gleich zu Beginn schon den Fuchs als Dieb identifizieren.

Die humorvollen großflächigen Illustrationen reißen die Kinder besonders mit, das Bild vom großen grimmigen Tiger wirkt besonders eindrucksvoll und entlockt den Kindern ein verblüfftes „Boooooah“.

Die 34 oft recht textlastigen Seiten forderten die Konzentration der Kindergartenkinder besonders. Das Durchhalten fiel vor allem beim Gang der Freunde durch das Museum schwer, als Rocky, der Kunstkenner, ein Gemälde erklärt. Das ganze Kunstthema kommt bei den Kindern nicht so gut an, es ist eher die Kriminalgeschichte, die die Kinder fasziniert. Ein Rätsel ist auch, warum Polly gerade dieses seltsame Bild von Paul Klee verschenken wollte.

Fazit: Auch, wenn das Buch hinsichtlich Kunstvermittlung wohl bei uns nicht erfolgreich war, ist dieses Abenteuer von Gustav empfehlenswert. Das stimmige Kinderbuch punktet mit spannender Geschichte und liebevoll gestalteten Bildern. Am Schluss haben wir dieses Mal abgestimmt und der laute Applaus der Kinder ist eindeutig: Das Buch ist toll und kommt auf jeden Fall in die kleine Bibliothek!

Ingo Siegner
Erdmännchen Gustav – Kunstraub im Museum
Ab 3 Jahren
cbj Kinder- und Jugendbuchverlag, 2017

Übrigens: Weitere Abenteuer von Gustav und seinen zwei Freunden gibt’s beim cbj Kinder- und Jugendbuchverlag

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